Zur Lehre vom Gemüt. 55 könnt Ihr’s uns auch sagen.“ Es ist von großer Wich- tigkeit, daß das „Gefühl“ auch nicht irgendwie in einem privi- legierten Nebel des „Unbeschreibbaren“ stecken bleibe. Wie das angeführte Beispiel, so haben auch alle Zer- gliederungen, die wir mit anderen „Gefühlen“ vornehmen, das Ergebnis, daß das Tatsächliche, worauf das Wort von der angeblichen „Gefühlsfärbung“ sich stützen kann, unklare Körperempfindungen sind, während von einer angeb- lichen „qualitativen“ Besonderung der Lust oder Unlust selbst nichts zu finden ist. Ich kann dem daher nicht völlig zustimmen, was Th. Ziegler schreibt: „Die ästhetische Freude über ein schönes Gedicht ist inhaltlich verschieden von der sinnlichen über ein Glas guten Weins oder von der intellektuellen über eine gelöste Preisaufgabe, und zwar nicht nur die Ursache, das a quo, dasjenige, an dem sich die Freude hier und dort aufrankt, ist verschieden, sondern auch ihr Inhalt (ihre Farbe), die Wirkung, der ganze Ver- lauf, die Art und Weise dieser Freude im Ganzen stellt sich uns als von jeder anderen spezifisch verschieden dar.“1) Ich kann diesem nicht zustimmen, sofern Ziegler, woran hier wohl nicht zu zweifeln ist, mit „Freude“ bezeichnen will das Ge- fühl d. i. die zuständliche Bestimmtheitsbesonderheit allein, unterschieden und in der Betrachtung völlig abgesondert von allem Gegenständlichen des Bewußtseins, von „Vorstel- lungen aller Art“ oder „Erkenntniselementen“, wie Ziegler schreibt. Rechnet er aber vielleicht doch zu der „Freude“ nicht nur das Gefühl (Lust oder Unlust), sondern auch die mit diesem immer verknüpfte Körperempfindung, so müßten wir ihm allerdings zugestehen, daß jene „ästhetische Freude im ganzen“, da deren eines Stück dann eben eine besondere Körperempfindung bedeuten würde, um dieser Körper- empfindung willen „von jeder anderen Freude spezifisch verschieden sich darstelle“. Nachdem wir festgestellt haben, daß jener Rest, der in den sogenannten Gefühlen der Freude und der Trauer, des Zahnschmerzes und der Reue usf. noch neben der zu- >) a. a. 0. S. 110.