Zur Lehre vom Gemüt 49 die doch allein maßgebend sein kann, nicht noch eine „quali- tative“ Verschiedenheit der Lust oder der Unlust neben Art und Grad dieser Gefühle. Indessen, da nun einmal die Be- hauptung einer „Färbung“ von Lust und Unlust ausgesprochen ist, so haben wir den Tatsachenbestand noch einmal darauf- hin ganz besonders zu prüfen, um, wenn wir auch nicht bekehrt werden sollten, dann eben den Irrtum, der in jener Behauptung liegt, in seiner Quelle aufzudecken, denn wir müssen annehmen, daß jener Behauptung doch gewisse Tat- sachen unterliegen, auf die sie sich gründet. Die „Färbung“ des Gefühls (der Lust und der Unlust) soll aber mit Art und Grad des Gefühls nichts gemein haben. Wenn wir nun auf die Entdeckung des geheimnisvollen Anderen ausgehen, so wird geraten sein, zwei allgemein an- erkannte „Gefühle“, die nach Art und Grad gleich, aber von verschiedenem Gegenständlichen bedingt sind — wie solche Gefühle ja vielfach in unserer Erfahrung sich bieten —, mit- einander zu vergleichen, ob wir nicht etwa doch an diesen Gefühlen d. h. Zuständlichem als solchem außer gleicher Art und gleichem Grad noch anderes entdecken können, in dem sie vielleicht unterschieden wären. Nehmen wir zum Vergleiche den Zahnschmerz und die Reue. Beides verzeichnen wir als „Gefühl“ im Sinne jenes Zusammens von Zuständlichem und „maßgebend“ bedingendem Gegenständlichen. Wir setzen dabei voraus, daß die Unlust, die in beidem als Zuständliches sich findet, auch dem Grade nach gleich sei; dann sind Zahnschmerz und Reue, die besonderen Fälle jenes Zusammens, immerhin durch ihr be- sonderes Gegenständliches, das als maßgebendes in der Auf- raerksamkeitsstellung steht, deutlich unterschieden, also trotz des nach Grad und Art gleichen Zuständlichen beider doch gar nicht zu verwechselnde „Gefühle“. Aber dies Zusammen von Zuständlichem und maßgebenden Gegenständlichem meint man gar nicht, wenn man von Gefühlen als „qualitativ“ ver- schiedenen spricht, und im Besonderen nicht das „maßgebend“ bedingende Gegenständliche, wenn man von der „Färbung“ eines Gefühls redet. Daß zwar dieses Gegenständliche für die angebliche „Färbung“ des Gefühls verantwortlich sei, wird Rehmke, Gemüt. 4