46 Zur Lehre vom Gemüt. Wir haben bisher das Gefühl erörtert, insofern unter „Gefühl“ nur die Besonderheit zuständlicher Bestimmt- heit der Seele gemeint ist, die eben nach ihrer besonderen Art entweder Lust oder Unlust ist. Diese Erörterung mußte yorangehen, weil, was auch immer nach unserem Sprachgebrauch in dem Namen „Gefühl“ zum Ausdruck kommen mag, dabei doch stets jene Bestimmtheitsbesonderheit des zuständlichen Bewußtseins mitgedacht ist, ja wir dürfen schon behaupten, daß in allen Fällen, in denen noch mehr als diese zuständ- liche Bestimmtheitsbesonderheit, mit dem Worte „Gefühl“ ge- meint ist, das Ganze, das also noch anderes als nur Lust oder Unlust darstellen soll, doch eben nur um dieses seines Lust- bder ünluststückes wrillen den Namen „Gefühl“ erhalten hat.1) Das Gefühl im Sinne der zuständlichen Bewußtseins- bestimmtheit ist nach Art und Grad immer ein besonderes, entweder Lust oder Unlust, und entweder starke oder schwache Lust oder Unlust. Vielfach aber will der Sprachgebrauch unter „Gefühl“ noch mehr als nur Lust oder Unlust verstanden wissen und diesem „mehr“ haben wir nun nachzugehen. In zweierlei Weise zeigt sich, soviel wir sehen, der Sinn des Wortes „Gefühl“ im Sprachgebrauch weiter, die eine besteht darin, daß Lust oder Unlust nur für das eine Stück des „Ge- fühls“ gelten, als dessen anderes dann Gegenständliches des Bewußtseins, und zwTar das für die zuständliche Bestimmtheits- besonderheit (Lust oder Unlust) maßgebende Gegenständliche gedacht ist. Wir hätten hier also das Wort „Gefühl“ als Bezeichnung eines Zusammens von Lust oder Unlust und deren maßgebendem Gegenständlichen in dem Bewußtseins- augenblicke: im Sinne eines solchenZusammens zuständlicher und gegenständlicher Bestimmtheitsbesonderheit des Bewußtseins spricht man von dem „Gefühl“ der Liebe und des Hasses, der Furcht und der Hoffnung usw. Dieser Sprachgebrauch *) Daß „Fühlen“ und „Gefühl“ mit „Empfinden“ und „Empfindung“ im Sprachgebrauch noch vielfach verwechselt werden, ist eine bekannte Tatsache, deren Grund auch offen zutage liegt; da aber im wissenschaft- lichen Verkehr diese Verwechselung allmählich ganz überwunden ist, so unterlasse ich es, an dieser Stelle näher auf sie einzugehen (s. mein Lehr- buch der allgem. Psychologie, 2. Auf!., S. 361 f.).