8 Zur Lehre vom Gemüt. fühlenden Einzelwesen aus, daß also jenes Gegebene ein „Ge- fühl“ oder, anders ansgedrückt, eine Besonderheit jener Bestimmtheit sei, die wir „fühlen“ oder auch „znständliche Bestimmtheit des seelischen Einzelwesens“ nennen. Also als Bestimmtheitsbesonderheit des zuständlichen Bewußtseins1) heißt das uns Allen vertraute Gegebene, Lust und Unlust, ein „Gefühl“, und wir bestimmen dieses Gegebene als „Ge- fühl“, indem wir es eben in seiner Beziehung zu einem fühlenden Einzelwesen, dem es als seine Bestimmtheits- besonderheit zugehört, begreifen. Ebenso, wie das Wort „Gefühl“, ist auch Wahrnehmung, Vorstellung, Empfindung, Gedanke u. a. m. nicht Ausdruck eines Gattungsbegriffes, sondern vielmehr eines Beziehungs- begriffes. Wir sprechen z. B. von rund und rot als Wahr- nehmung oder Empfindung. Das Gegebene „rund“ und das Gegebene „rot“ haben diese gemeinsame Bestimmung (Wahr- nehmung oder Empfindung) mit vollem Grund bekommen, aber diese Bestimmung bedeutet nicht ein gemeinsames All- gemeines als Gattungsbegriff jenes verschiedenen Gegebenen „rund“ und „rot“, da hier ebenso, wie bei dem Gegebenen „Lust“ und „Unlust“, ohne Weiteres ersichtlich ist, daß von solchem gemeinsamen Allgemeinen nicht die Rede sein kann, als ob etwa „rund“ und „rot“ als Gegebenes schlechtweg sich nur durch ihre Besonderheit unterschieden, in ihrem Allgemeinen aber gleich wären. Nennen wir daher das Gegebene „rund“ und das Ge- gebene „rot“ gleicherweise eine „Wahrnehmung“ oder eine „Empfindung“, so steht von vornherein fest, daß diese beiden Worte hier nicht einen Gattungsbegriff bedeuten können. Wir werden aber auch diesen Worten als Bestimmungs- worten für „rund“ und „rot“ nur einen Sinn gewinnen, indem sie einen Beziehungsbegriff zum Ausdruck bringen und somit das Gegebene „rund“ und „rot“ als Bestimmtheits- besonderheit eines wahrnehmenden oder empfindenden Einzel- wesens feststellen, oder, mit anderen Worten, jenes Gegebene, !) Siehe Eehmke, Lehrbuch der allgemeinen Psychologie, 2, Auf- lage, § 33.