Vorwort. Die vorliegende Schrift behandelt ein besonderes Stück aus der Seelenlehre oder „Psychologie“; zur Einführung für den Leser sei unter Hinweis auf des Verfassers „Lehrbuch der allgemeinen Psychologie“ kurz entwickelt, von welcher besonderen Voraussetzung die Schrift ausgeht. Liese Voraus- setzung ist die Seele. Man wird vielleicht verwundert fragen, was denn hieran Absonderliches sei, da doch wohl jede Psychologie d. h. jede Seelenlehre die Seele voraussetze. Aber — so frage ich wieder — ist dem tatsächlich so? Man schaue sich doch um im verflossenen Jahrhundert, das ja erst im vollen Sinne eine besondere Wissenschaft „Psychologie“ kennt, und in der Gegenwart, die der Psycho- logie so großes Interesse entgegenbringt — was es bei den vielen Vertretern einer Psychologie mit solcher Voraussetzung auf sich hat! Darüber wird doch kein Streit sein, daß das Wort „die Seele“ nach unserem Sprachgebrauch ein besonderes Einzelwesen bezeichnet und daß Jeder, der dieses Wort hört, demnach auch an ein Einzelwesen denkt. Sind dessen doch sogar diejenigen, die von einer „Psychologie ohne Seele“ träumen, unfreiwillige Zeugen, indem auch sie, wann immer ihnen das Wort „Seele“ in die Feder schlüpft, in der Tat von einem Einzelwesen handeln. Freilich die Vertreter einer „Psychologie ohne Seele“ wollen ausgesprochenermaßen doch von jener Voraussetzung