2. Der Wiederbeginn öffentlichen Lebens Nr. 17 Wiederaufbau der Gewerkschaften Die Überwindung der politischen Zersplitterung der deutschen Gewerkschaften, welche am Ende der Weimarer Republik zur Schwäche der Arbeiterbewegung nicht unwesentlich beigetragen hatte, gehörte in Deutschland 1945 allenthalben zu den Konsequenzen, die man aus dem Dritten Reich zu ziehen versuchte. Besatzungs¬ mächte und breite Teile der deutschen Gewerkschaftsbewegung stimmten in diesem Ziel - zumindest öffentlich - überein. Das Saarland schien sich in dieser Hinsicht anfangs noch nicht von anderen Teilen des ehemaligen Reiches zu unterscheiden, wie der Zeitungsbericht vom 9. Januar 1946 über die Saarbrücker Großkundge¬ bung zeigt.1 Zeitungsartikel aus der „Neuen Saarbrücker Zeitung“. 9.1.1946 Großkundgebung der Einheitsgewerkschaft - Starkes Bekenntnis zur Einigkeit und zur Demokratie. Die erste Kundgebung der Einheitsgewerkschaft der Arbeiter, Angestellten und Be¬ amten für das Saargebiet fand Sonntagvormittag im großen Saal der Wartburg statt. Obwohl die Veranstaltung für den Vormittag angesetzt werden mußte und obwohl die eisigkalte Witterung viele Leute davon abhielt, in den frühen Sonntagvor¬ mittagstunden ihre Wohnungen zu verlassen, war der Besuch der Versammlung sehr stark, und selbst viele Frauen waren vertreten. Ein Beweis, daß der Gedanke zum Aufbau einer Einheitsgewerkschaft auch bei uns an der Saar sehr lebhaft ist. Dabei war die Zusammensetzung der Besucher erfreulich gemischt, denn man be¬ merkte nicht nur Handarbeiter, sondern auch recht viele Angestellte und Beamte. Und als erfreuliches Zeichen sah man Angehörige aller früheren politischen Ge¬ werkschaftsrichtungen, von den ehemaligen freien Gewerkschaftlern bis zu den seinerzeitigen Anhängern der christlichen und Hirsch-Dunckerschen Gewerk¬ schaften, wobei der unbedingte Wille zur Einmütigkeit den Gesamtverlauf der Kundgebung sichtbar kennzeichnete. Das traf nicht nur auf die Leitung dieser ' Zur Gewerkschaftsentwicklung an der Saar siehe H.-C. Herrmann, Sozialer Besitzstand; Beinen, Saarjahre, u.a. S. 255 ff. u. 405 ff; Busemann, Kleine Geschichte. 289