Christian Schulz Grenzgänger „von Amts wegen“ - die interkommunale GRENZÜBERSCHREITENDE ZUSAMMENARBEIT im Saar-Lor-Lux-Raum Bei der nachfolgenden Betrachtung der interkommunalen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und ihres Beitrags zur Integration des Saar-Lor-Lux-Raumes steht ein besonderer Grenzgängertypus im Mittelpunkt: die lokalen Akteure, sozusagen Grenzgänger „von Amts wegen“, wie Bürgermeister, Gewählte, Gemeindebedien¬ stete, Vereinsvorstände usw„ ohne deren persönliches Engagement und deren Krea¬ tivität bei der Überwindung grenzbedingter Hindernisse die hier dargestellten Akti¬ vitäten kaum denkbar wären. Die Bezeichnung Saar-Lor-Lux geht zurück auf Hubertus Rolshoven1, der einen grif¬ figen Namen für das „Montandreieck“ Saarland-Lothnngen-Luxemburg schaffen wollte, das trotz der von ihm betonten kulturellen, wirtschaftlichen und strukturellen Gemeinsamkeiten auch heute noch ein sehr heterogener Raum bleibt. Dies verwun¬ dert nicht angesichts der Tatsache, daß dieses Gebiet in den letzten zwei Jahrhunder¬ ten die labilsten Grenzen Westeuropas aufzuweisen hatte. Der deutsch-französische Krieg (1870/71) und die beiden Weltkriege haben ihm eine sehr leidvolle Geschichte beschert; den politischen Katastrophen folgten wirtschaftliche Wechselbäder im Bergbau und der Eisen- und Stahlindustrie1 2. Somit wurde die Wortschöpfung Saar- Lor-Lux auch zum Symbol der Hoffnung für eine Schicksalsgemeinschaft periphe¬ rer, wirtschaftlich schwacher Grenzräume, die in einem heranwachsenden „Europa der Regionen“ eine neue Identität und eine bessere Zukunft suchen. Heute gilt Saar- Lor-Lüx zudem als Ausdruck einer Vielzahl von Formen grenzüberschreitender Ko¬ operation öffentlicher und privater Institutionen. Bevor nachfolgend auf die unter¬ schiedlichen Ebenen der Zusammenarbeit im Saar-Lor-Lux-Raum eingegangen wird, ist zunächst das Problem der unklaren räumlichen Abgrenzung zu diskutieren. Im weiteren wird vornehmlich die lokale Ebene der Kooperation betrachtet, wobei anhand dreier Fallbeispiele die Entwicklung zunehmend institutionalisierter Koope- 1 Hubertus Rolshoven, Rohstoffwirtschaft in der Großregion Saar-Lor-Lux, in: Glückauf 110(1974), S. 841-846. 2 Vgl. u.a. Wolfgang Brücher, Saar-Lor-Lux: Grenzregion, Peripherie oder Mitte der Euro¬ päischen Gemeinschaft?, in: Geographische Rundschau 41, 10 (1989), S. 526-529; ders., Saar-Lor-Lux. Région modèle pour une Europe des régions?, in: Bulletin de l'Académie des Sciences, Agricultures, Arts et Belles-lettres d'Aix, Année académique 1993-1994, Aix-en-Provence 1994, S. 85-95; François Reitel, Krise und Zukunft des Montandreiecks Saar-Lor-Lux, Frankfurt am Main-Berlin-München 1980; ders., Die Veränderungen der politischen Grenzen im Saar-Lor-Lux-Raum und ihre wirtschaftlichen und regionalen Kon¬ sequenzen, in: Dietrich Soyez et al. (Hgg.), Das Saarland, Bd. 1 : Beharrung und Wandel in einem peripheren Grenzraum (Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität des Saarlandes 36), Saarbrücken 1989, S. 127-138. 155