Die Freizügigkeit fordert - so Abs. 2 des Art. 48 - die Abschaffung jeder auf der Staatsangehörigkeit beruhenden unterschiedlichen Behandlung der Arbeitnehmer der Mitgliedsstaaten in bezug auf Beschäftigung, Entlohnung und sonstige Arbeits¬ bedingungen. Sie gibt - ausweislich Abs. 3 - u.a. den Arbeitnehmern das Recht, sich um tatsächlich angebotene Stellen zu bewerben, sich zu diesem Zweck im Hoheitsge¬ biet der Mitgliedsstaaten frei zu bewegen und sich in einem Mitgliedsstaat aufzuhal¬ ten, um dort eine Beschäftigung auszuüben. Die Garantie, die Art. 48 den Bürgern der Europäischen Union gibt, macht es notwendig, die Rechtsstellung ausländischer Arbeitnehmer aus EU-Staaten von der Stellung sog. Drittstaatsangehöriger und da¬ mit auch die Rechte der EU-Grenzgänger (also etwa des Franzosen, der in Deutsch¬ land arbeitet) von denen anderer Grenzgänger (also etwa des Polen, der in Deutsch¬ land arbeitet) zu trennen. a) Nimmt man zunächst die Bürger der Europäischen Union in den Blick, so läßt sich feststellen, daß das Freizügigkeitsrecht aus Art. 48 EGV ihnen die Möglichkeit verschafft, im gesamten europäischen Binnenmarkt ihre Arbeitsleistung anzubieten, eine Arbeit aufzunehmen und ihr nachzugehen14. Damit diese Gewährleistungen auch praktisch wirksam werden können, werden sie begleitet von dem Recht, in die anderen Mitgliedstaaten zum Zweck der Arbeitsaufnahme einzureisen und sich dort aufzuhalten15. aa) Im Hinblick auf dieses Aufenthaltsrecht aus Art. 48 EGV bedürfen Arbeitnehmer aus den EU-Staaten nicht der für andere Ausländer erforderlichen Aufenthaltsge¬ nehmigung. Dies hindert die Mitgliedstaaten allerdings nicht daran, die Arbeitneh¬ mer aus dem EU-Ausland dazu anzuhalten, ihr Aufenthaltsrecht durch eine rein de¬ klaratorisch wirkende Bescheinigung nachzuweisen16. In Übereinstimmung damit müssen EU-Ausländer auch in der Bundesrepublik die sog. „Aufenthaltserlaubnis- EG“ beantragen. Sie ist eine Bescheinigung, die anders als die Genehmigung nach § 3 AuslG das Aufenthaltsrecht nicht begründet, sondern lediglich nachweist; auf ihre Erteilung haben EU-Ausländer einen Rechtsanspruch17. Diese Rechtslage, die die Gemeinschaftsbürger gegenüber Drittstaatsangehörigen ohnehin schon privile¬ giert, wird nun für Grenzarbeitnehmer aus der EU noch weiter verbessert. In Umset¬ zung der einschlägigen EG-Richtlinie18 bestimmt das deutsche Recht, daß Arbeit¬ nehmer, die in der Bundesrepublik beschäftigt sind, ihren Wohnort jedoch im Ho¬ heitsgebiet eines anderen EU-Mitgliedstaates haben und in der Regel jeden Tag oder mindestens einmal in der Woche dorthin zurückkehren, keiner Aufenthaltserlaubnis bedürfen19. Für diese Personengruppe ist also keinerlei Bescheinigung erforderlich. 14 Krimphove, Europäisches Arbeitsrecht, 1996, S. 82 15 Zu den Modalitäten dieses Aufenthaltsrechts vgl die Richtlinie 68/360/EWG sowie das Aufenthaltsgesetz/EWG. 10 Vgl. nur EuGH, Slg. 1977, 1504 (Sagulo); Geiger, EG-Vertrag, 2. Aufl. 1995, Art. 48 Rn. 19. 17 Vgl. nur Büchner, in: Münchener Handbuch zum Arbeitsrecht, 1992, § 35 Rdnr. 39. 18 Richtlinie 68/360/EWG. 19 § 8 Abs. 3 Aufenthaltsgesetz/EWG. 24