Bistümer sind Glieder dieser Kontinuitätsfäden, wenn auch besonders wichtige4. Diese so spezifische Situation - so ist zu erwarten - dürfte kaum folgenlos für die 'Alpenromania' geblieben sein, spezifisch eben deswegen, weil die langobardischen und bajuwarischen Siedlungsgebiete sich im 7. Jahrhundert keineswegs über den gesamten mittleren Alpenraum flächendeckend ausdehnen, sondern - wie der ar¬ chäologische Befund dies klar ausweist - sich keilförmig von Norden und Süden in diesen vorschieben (Abb. 1-2). Es hängt also nun von den Mechanismen und der Intensität dieser beiden Landnahmevorgänge ab, ob - und wenn ja - wo die territo¬ riale und kulturell-zivilisatorische und vor allem auch sprachliche Einheit der 'Alpenromania' so gestört wurde, daß die Kontinuitätslinien immer brüchiger wur¬ den, ja mit bleibenden Folgen dann sogar abrissen. Dies darzustellen ist das Hauptanliegen dieses Beitrags, was aus der Sicht der Archäologie allein auf sied¬ lungsarchäologischem Wege möglich ist. Kann also im Sinne der Symposiumsthematik zwar durchaus von Grenzregionen gesprochen werden, so lassen sich Grenzen hingegen im 677. Jahrhundert noch nicht darstellen; auch wenn man aufgrund der spärlichen und zudem wenig kon¬ kreten Schriftquellen kontrovers über den Verlauf sich verschiebender, rein poli¬ tisch-territorialer Grenzen zwischen Langobarden und Bajuwaren in unserem Un¬ tersuchungsraum streiten kann - sollte es sie überhaupt im kontinuierlich, mehr oder minder vertraglich präzise geregelten Sinne gegeben haben -, so kam ihnen jedoch noch keine ethnisch prägende und stabilisierende Rolle im Kleinraum zu, schon gar nicht für die romanische Bevölkerung. Zu vieles ist noch in Bewegung, noch nicht stabil genug auf dem Hintergrund der fränkischen Alpen- bzw. Italien¬ politik und der in sie teilweise kontrovers eingebetteten engen bajuwarisch-lan- gobardischen Verbindungen5. Dennoch werden Grenzen in unser Blickfeld gera¬ ten, wenn ab dem ausgehenden 8. Jahrhundert sich herausbildende und erst im 11. -13. Jahrhundert ethnisch (und sprachlich) verfestigende Strukturen sich erkennen lassen; sie sind - was zu zeigen sein wird - in hohem Maße bereits grundgelegt in den beiden sehr unterschiedlich strukturierten Überschichtungsvorgängen von Langobarden und Bajuwaren über die 'Alpenromania'. Archäologie und Sprachge¬ schichte kommen für die 'Frühzeit' hierbei besondere Bedeutung und Beweiskraft zu; sind die fachspezifisch erzielten Ergebnisse allein schon beeindruckend6, so läßt sich das siedlungskundliche Bild im interdisziplinären Verbund noch einmal erheblich verdichten7. 4 Zur Kirchenorganisation zuletzt: Berg, Bischöfe, S. 74fF. und S. 89ff.; Sydow, Frühes Christentum, S. 32ff.; Bierbrauer-Nothdurfter, Sähen, S. 28lf.; zur gestaltenden Rolle der Kirche angesichts verfallender staatlich-lenkender Institution im Dukat von Trient u,a. Jamut, Herzogtum Trient, S. 170f. und Conti, La spedizione, S. 306fF. 5 Zuletzt: Schneider, Alpenpolitik, S. 23ff. und Schmid, Bayern und Italien, S. 5 lff. 6 Zuletzt: Pfister, Entstehung des Zentral- und Ostalpenromanischen, S. 49ff. 7 Hierfür ist der Saarbrücker Forschungsschwerpunkt ein beneidenswertes Musterbeispiel; vgl. für das mittlere Alpengebiet: Bierbrauer, Insediamento, S. 133; Pfister, Ln popolazione, S. 175. 149