vor allem im Kontext des mittleren und östlicheren Alpengebietes mit gesicherten Ergebnissen gut eingeordnet werden können2. Siedlungsarchäologische Studien kennzeichnen also die folgenden Ausführungen; zielfuhrend ist, Lagebezogenheiten der germanischen (Langobarden/Bajuwaren) und romanischen Siedlung zueinander und deren Abhängigkeiten von naturräum¬ lichen Voraussetzungen ebenso zu erkennen wie ihren Bezug zu der Infrastruktur der Zeit (Fern- und Hauptstraßennetz). Da sich hierbei bezeichnende Unterschiede herausarbeiten lassen, ergeben sich deutliche Hinweise auf die sehr unterschiedli¬ che Art und Weise und somit Intensität der Überschichtungsprozesse über die 'Alpenromania', zum einen durch die Langobarden von Süden her in ihrem bereits 569 eingerichteten nördlichsten Grenzdukat von Trient und zum anderen von Nor¬ den her - hier nur randlich behandelt, weil allein auf Südtirol bezogen - durch die bajuwarische Landnahme südlich des Brenner-Passes bereits in der Zeit um 600. Da Schriftquellen für das 6. und 7. Jahrhundert fehlen, die sich unmittelbar und aussagekräftig sowohl auf die Intensität und Verteilung germanischer und romani¬ scher Siedlung, vor allem für den allergrößten Teil unseres Untersuchungsraumes (Trientiner Dukat), weder im Großraum noch in der Mikroregion beziehen, kann Siedlungsgeschichte beweiskräftig nur durch die frühgeschichtliche Archäologie mit ihrem vergleichsweise gut datierbaren Quellengut und auch durch die Sprach¬ forschung, namentlich durch die Ortsnamenkunde mit ihren chronologisch freilich weniger scharf eingrenzbaren Quellen geschrieben werden3. Der Stellenwert dieses Beitrages zu Punkt 2, also zum Thema des Symposiums 'Grenzen und Grenzregionen', ist ungleich schwieriger zu umschreiben: Darge¬ stellt werden können immerhin zwei 'Grenz'-Regionen ab der Zeit kurz vor und um 600 mit der Installation langobardischer und bajuwarischer Siedlung, Grenz¬ regionen jedenfalls aus der Sicht der landnehmenden germanischen Bevölke¬ rungsgruppen; aus der Perspektive der hier siedelnden alpenromanischen Bevölke¬ rung dürften diese - zumindest in der Frühzeit (2. Hälfte des 6. und frühes 7. Jahr¬ hundert) - jedoch kaum als solche empfunden worden sein, da die von beiden ger¬ manischen Populationen besetzten mittelalpinen Landschaften längs von Etsch und Eisack einen Grohraum umfassen, der vor dem 6. Jahrhundert durch eine jahrhundertealte reichsrömische Kontinuität geprägt war und der auch weiterhin im 6./7. Jahrhundert durch zwar gebrochene, aber dennoch durch nicht zu unter¬ schätzende Kontinuitätslinien sich auszeichnet; die kirchliche Zugehörigkeit zu Oberitalien (Trient, Säben) - zunächst vermutlich zu Mailand, dann aber gesichert zu Aquileia - sowie die ordnende und gestaltende Rolle und Integrationskraft der 2 Bierbrauer, Aufsiedlung, S. 9ff.; ders., Castra, S. 497ff.; ders., Invidino I, S. 21ff., 293ff., 332ff.; Ciglene^'ki, Höhensiedlungen, passim.; vgl. auch Anm. 1. ri Für die Sprachforschung konnte ich mich der Hilfe von M. Pfister (Sarbrücken) und Frau G. Mastrelli Anzilotti (Florenz) dankbar versichern: vgl. Bierbrauer, Insediamento, S. 121-150 mit den Beiträgen von M. Pfister und G. Mastrelli in demselben Sammelband: Italia longobarda, Venedig 1991, S. 175- 225 und 227-267. 148