Volker Bierbrauer Langobarden, Bajuwaren und Romanen im mittleren Alpengebiet im 6.UND 7. Jahrhundert. Siedlungsarchäologische Studien zu zwei Überschichtungsprozessen in einer Grenzregion und zu den Folgen für die ’Alpenromania'* L Vorbemerkung oder: Einstimmung in ein interdisziplinäres Gespräch Einleitend ist zu beschreiben, was der Archäologe 1. zu dem Vortragsthema mit seinen fachspezifischen Quellen und Methoden beizusteuem vermag und vor allem 2. welcher Beitrag hiervon zu dem Thema des Symposiums - Grenzen und Grenz¬ regionen - erwartet werden kann. Der Vortragstitel kennzeichnet bereits hinläng¬ lich deutlich den Untersuchungsbereich und seine Zielsetzung zu Punkt 1, näm¬ lich: Die Benennung gesicherter ethnischer Kriterien, mit denen langobardische von ro¬ manischen Gräbern geschieden werden können. Da keine auch nur halbwegs flä¬ chig untersuchte Siedlungen (Größe, Struktur, Besiedlungsdauer usw.) bislang vor¬ liegen* 1, bleiben die zu ihnen gehörenden (siedlungsindizierenden) Bestattungs¬ plätze die entscheidende und quantitativ auch gewichtige Quellengruppe für sied¬ lungsarchäologische Studien. Wenn dennoch von Siedlungen selbst die Rede sein wird, dann sind es die Castra (und Castelia) der Schriftquellen und ihnen ver¬ gleichbare Höhensiedlungen; obgleich diese in Südtirol und im Trentino archäolo¬ gisch nicht bzw. kaum erforscht sind, kommt ihnen dennoch siedlungsgeschicht¬ lich große Bedeutung zu, da sie sowohl durch datierbare Lesefünde als auch und Nur wenig veränderte Fassung des Vortragstextes. Wegen der fächerübergreifenden Arbeitsweise des Saarbrücker Forschungsschwerpunktes, der - von Sonderforschungsbereichen abgesehen - bislang leider noch kaum Vergleichbares findet, und des entsprechend zusammengesetzten Teilnehmerkreises des Symposiums wird auf allzu detaillierte archäologische Beweisführungen verzichtet; sie werden - auch hinsichtlich kontrovers beurteilter Problemzusammenhänge - soweit als möglich in den Anmerkungen berücksichtigt. 1 Kleinere Siedlungsgrabungen und gesicherte Siedlungsfunde: Bierbrauer, Insediamento, S. 149ff. Nr. 41, 42a, 44, 80, 117, 156-157 mit den dazugehörigen Karten I-XI und außerhalb dieser nördlich anschließend in Südtiro! an nennenswerten Siedlungsgrabungen noch: Villanders {Der Schiern 63, 1989, S. 201ff.; Fortsetzung der Grabungen mit Siedlungskontinuität in das 677. Jh., noch unpubliziert), Säben (Bierbrauer-Nothdurfter, Sähen, S. 243fF.) und St. Lorenzen-Sebatum (Rizzi, Gianni: in: Rivista Italiana di Numismatica e Scienze Affini 87, 1955, S. 143ff.). Dazu Siedlungsmaterial in der Regel als Streu- bzw. Lesefunde aus den Castra und namentlich in den Schriftquellen nicht genannten Höhensiedlungen (Bierbrauer, Insediamento, Karten I-XI), z.T. mit sehr begrenzten Ausgrabungen (Nr. 1,8, 11, 75, 154). 147