3. von der Chronologie der Sprachgrenzbildung, die erst ihre Korrela¬ tion mit historischen Phänomenen erlaubt. Es ist nicht möglich, in einer so kurzen Zeit, wie sie einem Kolloquiumsvortrag zur Verfügung steht, den gesamten Raum der germanisch-romanischen Sprach¬ grenze von der Kanalküste bis nach Kärnten abzuschreiten. Ich werde daher die Verhältnisse in Nordfrankreich und Belgien5, im Elsaß und in der Franche- Comté6 sowie in Tirol7, Kärnten8, Ober- und Niederösterreich9 weitgehend aus¬ klammem. Ich kann dies - zumindest für die zuletzt genannten Gebiete - um so leichteren Herzens tun, als vorzügliche Kenner dieser Regionen in unserer Runde weilen, die sich Ihnen in Diskussion und weiteren Referaten sicherlich intensiv widmen werden. Ich will mich dagegen auf drei Sprachgrenzstücke konzentrieren, auf neuen, aber so nie gewollten Struktur beitragen. Dieser Typus von Grenze scheint vorwiegend im Be¬ reich von Sprache, Kultur, Ökonomie usw. vorzukommen. Er ließe sich in einem weiteren Sinne von 'Kultur* als Tcuhurelle' Grenze verstehen. Ein Terminus wie 'Ausgleichsgrenze' wäre von hier aus neu zu definieren. 5 Vgl. zuletzt die Arbeiten von Henri Draye (wie Anm. 1); ferner Maurits Gysseling, "La genèse de la frontière linguistique dans le Nord de la Gaule", in: Revue du Nord 44 (1962), S. 5-37; Ders., "L'origine et les fluctuations de la frontière linguistique dans le nord de la France", in: Bulletin du Comité Flamand de France 19 (1974), S. 422-442; Ders., "Germanisering en talgrens", in: Algemene Geschiedenis der Nederlanden, Bd. 1, Haarlem 1981, S. 100-115; André Joris, "On thè edge of two worlds in the heart of the new empire: The Romance régions of northem Gaul during the Merowingian period", in: Studies in Medieval and Renaissance History 3 (1966), S. 3-52; L. van Durme, "De vroege Germaans-Romaanse taalgrens in België en Noord-Frankrijk", in: Bulletin de la Commission Royale de Toponymie et Dia¬ lectologie 57 (1983), S. 189-247; Edward James, The Franks, Oxford 1988, S. 117-120. 6 Vgl. vor allem Friedrich Langenbeck, Studien zur elsûssischen Siedlungsgeschichte. Vom Weiterleben der vorgermanischen Toponymie im deutschsprachigen Elsaß, 2 Bde., Bühl 1967. 7 Vgl. vor allem die Arbeiten von Karl Finsterwalder, jetzt gesammelt in: Tiroler Ortsnamenkunde. Ge¬ sammelte Aufsätze und Arbeiten, hg. v. H.M. Ölberg/N. Grass, Bd. 1, Innsbruch 1990. 0 Vgl. Eberhard Kranzmayer, Ortsnamenbuch von Kärnten, Bd. 1, Klagenfurt 1956. o Vgl. vor allem die Arbeiten von Peter Wiesinger, "Die Besiedlung Oberösterreichs im Lichte der Ortsna¬ men", in: K. Holter (Hg.), Baiem und Slawen in Oberösterreich. Probleme der Landnahme und Be¬ siedlung, Linz 1980, S. 139-210; Ders., "Die ältesten Gewässer- und Siedlungsnamen in Oberöster¬ reich", in: Sprache und Name in Österreich, Festschrift W. Steinhäuser, Wien 1980, S. 255-297; Ders., "Probleme der bairischen Frühzeit in Niederösterreich aus namenkundlicher Sicht", in: H. Wolfram/A Schwarcz (Hgg.), Die Bayern und ihre Nachbarn, Teil 1 (= Österreichische Akademie der Wissenschaf¬ ten, phil.-hist. Kl., Denkschriften, Bd. 179), Wien 1985, S. 321-367; Ders., "Zur Frage deutscher Orts¬ namen als Zeugen romanischer Kontinuitäten im Frühmittelalter", in: Österreichische Namenforschung 15/10 (1987/88), S. 103-132; Ders., "Antik-Romanische Kontinuitäten im Donauraum von Ober- und Niederösterreich am Beispiel der Gewässer, Berg- und Siedlungsnamen", in: H. Wolfram/W. Pohl (Hgg.), Typen der Ethnogenese unter besonderer Berücksichtigung der Bayern, Tl. 1 (= Österreichi¬ sche Akademie der Wissenschaften, phil.-hist Kl., Denkschriften, Bd. 201), Wien 1990, S. 201-328; 101