nung über Wesen, Typologie und Entstehung sowie über vergangene, gegenwär¬ tige und zukünftige Wirkungen von Grenzen aufgerufen Mit Fragen der Typologie und Entwicklung von Grenzen, sowie des Zusammen- spiels von "natürlichen", politischen, kulturellen und sprachlichen Grenzen, der Wirkung von Grenzen auf Realität, Identität und Bewußtsein in Grenzregionen be¬ faßt sich seit einigen Jahren bereits ein interdisziplinärer Forschungsschwerpunkt "Grenzregionen und Interferenzräume" der Philosophischen Fakultät der Universi¬ tät des Saarlandes. Als Paradigma steht diesem Kreis von Geographen, Vor- und Frühgeschichtlem, Historikern, romanistischen, germanistischen und slavistischen Sprach- und Literarhistorikern der Saar-Lor-Lux-Raum, angesiedelt in Frankreich, Belgien, Luxemburg und Deutschland, im Vordergrund, doch treten zunehmend verwandte Aspekte der Konfrontations- und Interferenzzonen des Alpenraums, des deutsch-slawischen und des englisch-schottischen Grenzraums hinzu. Solche Forschung muß selbst Grenzen überschreiten, Grenzen der Disziplinen, aber auch Grenzen der Nationen. Dessen eingedenk versammelte - mit Unterstüt¬ zung der Stiftung Volkswagenwerk und des saarländischen Wissenschaftsministe¬ riums, denen an dieser Stelle gedankt sei - das vom 2. bis 4. Mai 1991 in der Grenzstadt Saarbrücken veranstaltete Symposium "Grenzen und Grenzregionen - Frontières et régions frontalières - Borders and Border Régions" zahlreiche Wis¬ senschaftler aus Großbritannien, Frankreich, Belgien, Luxemburg, der Schweiz, Österreich, Polen und Deutschland. Die Vorträge dieser Tagung werden hier zum überwiegenden Teil veröffentlicht. Die erste Gruppe von Vorträgen war den aktuellen und historischen Erscheinungs¬ formen, den Funktionen und der Begrifflichkeit von politischen Grenzen gewid¬ met. Wilfried Fiedler (Saarbrücken) behandelte in seinem Beitrag "Die Grenze als Rechtsproblem" die grundlegenden Funktionen einer Grenze (Abgrenzung von Hoheitsgebieten von Staaten), die Techniken ihrer Sicherung und die Chancen ih¬ rer Überwindung. Er konnte bereits deutlich ein vorrangiges Thema des Symposi¬ ums aufzeigen, die Analyse von Merkmalen jenes Grenztypus, welcher Gebiete gleichen Rechts, gleicher Wirtschaftsordnung, gleicher politischer Ordnung von¬ einander abtrennt, jedoch in steter Spannung mit anders geordneten und begrenz¬ ten Phänomenen wie Sprache, Religion, Ethnos und Kultur lebt, einer Spannung, welche die Grenze als historisches und individuelles Phänomen ins Bewußtsein hebt. So ließ sich vom Standpunkt des Philologen aus im Vortrag von Max Pfister (Saarbrücken) "Die Bezeichnungen für die Grenze und ihre Markierungen in eini- * Für die aktuelle Diskussion möge man - aus je verschiedener Fachperspektive - vergleichen: A. Demandt (Hg.), Deutschlands Grenzen in der Geschichte, München 1990; Siedlungsforschung Bd. 9 (1991) mit dem Schwerpunktthema "Der Einfluß politischer Grenzen auf die Siedlungs- und Kulturlandschaftsentwicklung" mit Abhandlungen von u. a. Franz Irsigler, Helmut Bender, Vladimir Nekuda, Hans Jürgen Nitz, Winfried Schich, Johann-Bernhard Haversath und Klaus Fehn; Lili. Zeitschrift ßr Literaturwissenschaft und Linguistik, H. 83: Sprachgrenzen (1991), hg. v. Wolfgang Haubrichs mit Aufsätzen von u.a. Stefan Sonderegger, Ingo Reiffenstein, Ernst Eichler, Wolfgang Bufe und André Weckmann. 12