Suizbachtal, der noch im Sommer 1922 dazu aufgerufen hatte, noch heute sämtliche Bäckerläden zu stürmen und auszuplündern34 und nun zum Steigeraspi¬ ranten avancierte, diente dafür als Demonstrationsbeispiel34 35. Zwischen diesen Mühlsteinen wurde die FAUD bereits 1923 in beträchtlichem Maße zerrieben: Ein Teil der Mitglieder kehrte zum BAV zurück, während sich die „Streikbrecher“ meist dem autonomischen „Saarbund“ anschlossen, dessen 2. Vorsitzender Weber wurde; sie waren seitdem jener Ausgrenzung alles „Undeut¬ schen“ ausgesetzt, die von der parteiübergreifenden nationalen Einheitsfront fortan im Saargebiet betrieben wurde36. Wohl nur ein Bruchteil blieb in der FAUD, die - ausweislich der erhaltenen Versammlungsberichte - in den folgenden Jahren lediglich noch als antigewerkschaftlicher Propagandaverein auf sich aufmerksam machte. Bereits in der Weltwirtschaftskrise war aus der FAUD eine Sekte geworden: Reichsweit zählte sie Ende 1930 gerade noch 6 620 Mitglieder37. Die Provinzialarbeiterbörse Saargebiet erfaßte im Herbst 1930 lediglich 82 Mitglieder; nur Südbayern hatte mit 78 Syndikalisten noch weniger, während Berlin-Branden¬ burg mit 2 957 Mitgliedern wieder die Spitzenstellung der Vorkriegszeit zurücker¬ obert hatte38. Die von der KPD betriebene Politik einer sich auch organisatorisch verselbständigenden Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO), die zwei¬ fellos Ähnlichkeiten mit syndikalistischen Auffassungen aufwies, dürfte die Erosion der FAUD noch verstärkt haben; die Teilnahme von Syndikalisten an Kongressen der RGO läßt sich jedenfalls im Saargebiet belegen39 40. In dem 1933 einsetzenden Abstimmungskampf um die Zukunft der unter Völker¬ bundsmandat stehenden Region spielte die FAUD keinerlei Rolle. Von den früheren zehn Ortsgruppen der FAUD existieren... nur noch drei: Ottweiler, Stennweiler und Wiebelskirchen, kritisierte die Internationale Arbeiter-Assoziation 1934. Das Organisationsleben war offensichtlich sehr reduziert: unbegreiflicher¬ weise hatte man seit März 1933 die Kassierung eingestellt. Mit den Genossen in Deutschland hatte man keine Verbindungen^. Allerdings übersieht diese harsche Kritik, daß die führenden Syndikalisten im Saargebiet 1933 - ebenso wie 1923 - gewissermaßen die Fahnen gewechselt hatten, ohne ihrer Überzeugung untreu zu werden. Denn die Führungsgarde der Saarländischen Sozialistischen Partei (SSP), der ersten Organisation, die den Status quo beim nahenden Plebiszit propagierte, bestand in beträchtlichem Maß aus (ehemaligen) FAUD-Mitgliedern: Wilhelm Kramer, einst Kopf der FAUD in Ottweiler, war seit Oktober 1933 SSP- Vorsitzender, Pistorius gehörte dem Vorstand an, Adam Conrad, Leiter der FAUD 34 Polizei/Sulzbach an Bürgermeister v. 26.8.1922, LAS, Stadt Sulzbach, 68/2/6. 35 J. Schwarz, Das Saargebiet, sein Bergbau und seine Sozialpolitik, Kämpfe der Bergarbeiter und des Verbandes der Bergarbeiter, Saarbrücken 1926, S. 85 f. 36 Vgl. K.-M. Mallmann/H. STEFFENS, Lohn der Mühen. Geschichte der Bergarbeiter an der Saar, München 1989, S. 165 ff. 37 Ergebnisse der Urabstimmung zum Reichssolidaritätsfonds (Undatiert/Ende 1930), Bundesarchiv Koblenz (=BAK), R 58/321, Bl. 20 ff. 38 Mitgliederaufstellung FAUD v. 19.10.1930, ebd., Bl. 19. 39 Etwa Arbeiterzeitung v. 11.2.1930 und 17.2.1931. 40 Bericht des Sekretariats der Internationalen Arbeiter-Assoziation über die Beziehungen zur deutschen Sektion v. 5.5.1934, Internationales Institut für Sozialgeschichte Amsterdam, International Working- Men Association 34, S. 8. 386