bereits die Gewölbe, aus denen die drei Schlußsteine mit dem Marienzyklus stammten. Der weitere Ausbau des Klosters erfolgte zwischen 1378 und 1410. Der Typus der Hallenkirche ist bekanntlich ein von den Parlern bervorzugter Raumkör¬ per. Die ziemlich kurzen Bauzeiten lassen sich nur mit erheblichen Mitteln zur zügigen Ausführung erklären. Gab es ein Zusammenwirken von Patriziat, Bischof und etwa des Kaisers? Nur Urkunden könnten diese Vermutung erhärten. Kaiser Karl IV. kannte natürlich die Zölestinerkirche in Paris, die sein Schwager König Karl V. von Frankreich 1365 gegründet und mit reichen Stiftungen versah8 und für deren skulpturale Ausstattung er bedeutende Aufträge vergab. Besondere Aufmerksamkeit widmete der französische König der Ausführung der Statuen für das Westportal. Ein heute weniger bekannter aber höchst bedeutender Bildhauer, Jean de Thoiry, hatte die (verlorene) Trumeaufigur des Titelheiligen St. Celestin zu meißeln und vielleicht schuf er auch die berühmten Standbilder des Königpaares für die Seitengewände, Karl V. und Königin Jeanne de Bourbon, die bei der Weihe der Coelestinerkirche 1370 fertiggestellt waren und sich seit dem Abriß der Klosterkirche im Louvre befinden9. Es fällt auf, daß nur ein Jahr nach der Weihe der Coelestinerkirche in Paris der Neubau der Coelestinerkirche in Metz begonnen wurde. Es wäre hilfreich, von Historikern zu erfahren, welche Bewandtnis es mit der Förderung der Coelestiner durch die beiden Herrscher hatte. - Karl IV. gründete auch eine Coelestinerkirche in Oybin, in der für seine Territorialpolitik wichtigen Lausitz (als Ruine erhalten). Für die Niederlassung ließ er Coelestinermönche aus Avignon kommen. 2. Das Grabmal des Bischofs Dietrich / Thierry Bayer (Baier) von Boppard Sehr naheliegend ist die Vermutung, daß auch das Grabmal Bischof Dietrich Bayers von Boppard in der Metzer Kathedrale zu den Skulpturen gehört, die durch „parlerisch“ orientierte Bildhauer ausgeführt wurde. Der Kirchenfürst starb 1384 (Februar, 15). Nach mehrfacher Versetzung von seinem ursprünglichen Standort und erheblichen Beschädigungen, sind die Teile der Liegefigur von ca. 2,30 m Länge auf einem neu aufgemauerten Tumbablock im nördlichen Seitenschiff der Metzer Kathedrale vor etlichen Jahren wieder allgemein zugänglich und würdig gelagert worden. Ältere Abbildungen dokumentieren den Aufbau des Wandgrabs (Abb. 5); wie es einst in der Domkrypta errichtet war. Davon haben sich offenbar keine Reste erhalten. Die Tumba mit der Liegefigur schmückten auf der Hauptseite sechs Blendarkaden mit eingestellten Statuetten. Über dem Gisant zog sich an der Rückwand noch ein Arkadenstreifen entlang, in dessen sieben Dreipaßblenden ebenfalls Statuetten standen. In der mittleren war die Gruppe einer thronenden Madonna mit dem Jesuskind im Schoß dargestellt, in den seitlichen Arkaden befanden sich jeweils Apostelpaare. Über dem Abschlußgesims dieser Arkadenzo¬ ne ragte in der Mittelachse eine größere Statuette auf (der Evangelist Johannes ?). 8 Françoise ISAAC: Les Célestins de Paris. Etude historique et archéologique. Position des thèses . . École nationale de Chartres, Paris 1965, S. 43-50. 9 Alain Erlande-BrandenburG: Jean de Thoiry, sculpteur de Charles V. In: Journal des Savants, Paris 1972, S. 210-227. 125