Die stilistische Zuweisung an eine Parier-Werkstatt in Metz stützt sich bisher vornehmlich auf Vergleiche mit Straßburger Skulpturen, die ihrerseits mit der Tätigkeit von Bildhauern eines dort dokumentierten Parler-Ateliers in Verbindung gebracht werden. Dazu zählen in erster Linie die monumentalen Statuen von „Kaiser“ und „Mönch“ am Fuß des Turmoktogons des Straßburger Münsters. Sie zeigen ähnliche in ihren Gewändern „schwebend-hängende“ Gestalten, ln zweiter Linie kommen zum Vergleich die zeichnerischen Entwürfe für die Figuren in Frage, die im Fassadenriß für das sogenannte Glockengeschoß zwischen den Türmen des Münsters für die Apostelgalerie skizziert wurden. Bei diesen Gewand¬ figuren hat man öfter auf Züge der böhmischen Malerei verwiesen. Überhaupt bestehen bekanntlich engere Beziehungen zwischen der Bildhauerei der Parier und der böhmischen Malerei. Der Straßburger Glockengeschoß-Pergamentriß wird dem der Parler-Sippe angehörenden Meister Michael von Freiburg (wo er zuvor tätig war) zugeschrieben, der 1383 mit der Ausführung der Glockengeschoßfassade beauftragt wurde. Einer älteren Überlieferung nach stammt dieser Bauabschnitt von den sogennanten „Junkhern von Präge“. Man deutet diese Bezeichnung als Verballhornung(?) der Nachricht, daß es sich bei den Parlern um Künstler handelt, die - wie in erster Linie Peter Parier - zu hohen Ehren am Prager Hof Karls IV. aufstiegen, also zu Hofkünstlern in einem Sinne, wie wir es eigentlich erst für spätere Jahrhunderte kennen, in denen derartige Meister geadelt wurden (von Tizian durch Kaiser Karl V. bis zu Franz von Stuck durch den Prinzregenten Luitpold 1906, um zwei markante Beispiele zu nennen). Die Benennung der Parier als „Junker“ akzentuiert auch ihre ungewöhnlich enge Vertrauensstellung beim Kai¬ ser. Das Auftreten von - leider bisher nicht aktenmäßig bestätigten - Werkleuten des Parler-Atelierkreises in Metz kann nur im Zusammenhang mit der Regierung des deutschen Bischofs Dietrich (Thierry) Bayer (Baier) von Boppard gesehen werden. Kurz nach seinem Amtsantritt 1365 beginnt die Geschichte der Coelestiner- Niederlassung in Metz. Zunächst habe der Patrizier Bertrand le Hungre 1367 eine Kapelle in der Nähe des zentralen Seillemarktplatzes gestiftet (dort etwa, wo heute das Blandinenstift steht). Im folgenden Jahr sollen zwei Coelestinermönche aus Paris in ihre lothringische Heimat zurückgekehrt sein, die der Stifter veranlaßt habe, den Gottesdienst in der Kapelle zu übernehmen. Und schon drei Jahre später, 1371, sei der Neubau einer großen Kirche begonnen worden. Bei der Erststiftung durch den Patrizier Le Hungre darf man an den Vorgang denken, der in Nürnberg zur Gründung und zum Ausbau der Frauenkirche am großen Markt führte. Auch hier trat zuerst ein Patrizier als Förderer des Gotteshauses auf den Plan: Ulrich Stromer d.J., der stellvertretend für Kaiser Karl IV. den Grundstein zur Kapelle gelegt haben soll und dessen Wappen sich an der Statue des Heiligen Wenzel befindet, die an der Chorsüdwand der Frauenkirche aufgestellt wurde, vermutlich in der Nähe des vom Kaiser gestifteten und 1358 geweihten Wenzelsaltars. Wäre es möglich, daß in Metz ähnlich verfahren wurde? Der Patrizier hätte demzufolge die ersten Schritte zur Niederlassung der Zölestiner ausgeführt, später wuchs der große Kirchenbau und der Ausbau des Klosters auch unter dem Schutz des Bischofs. In zwei Bauabschnitten von 1371/72 und von 1375/76 entstand die sechsjochige Hallenkirche. Bereits im Zwischenjahr 1374 fand eine Weihe durch den Bischof statt. Damals wird vermutlich der Chor fertig gewesen sein. Vielleicht besaß er 124