kaiserlichen Familie, der Dombaudirektoren, der Dom-Architekten Matthias von Arras und Peter Parier - sein Selstbildnis; in der Wenzelkapelle die Statue des ritterlichen Heiligen; später am Altstädter Brückenturm die thronenden Monumen¬ talfiguren Kaiser Karls IV. und seines Sohnes, König Wenzels, und die Titelheili- gen der Stadt Prag, der Heilige Veit, der Heilige König Sigismund, der Heilige Adalbert, - um die bedeutendsten zu nennen. Neben Prag war Nürnberg ein zweites Zentrum der Parierkunst. (Frauenkirche und „Schöner Brunnen“ am Markt, Teile von St. Sebald usw.). Angehörige der Parler-Sippe waren an vielen Orten in Böhmen und Mähren, in Wien, Budapest und Zagreb (Agram) tätig, aber auch an fast allen mittelalterlichen Sakralbauten am Rhein von Basel, Thann, Freiburg i. Br. und Straßburg bis nach Köln, im Süden in Augsburg und Mailand (?)L Oskar Schürer, der Verfasser eines der zu seiner Zeit bekanntesten Pragbücher (1930 und spätere Auflagen) sowie eines kaum in die Öffentlichkeit gedrungenen Metz-Büchleins, bemerkte gelegentlich, daß er sich wundere, daß es in Metz kein Zeugnis eines Parler-Einflußes in der Architektur und Skulptur der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gäbe1 2. Denn Kaiser Karl IV., dessen Spuren in der Baukunst und Bildhauerei an so vielen Plätzen seines Wirkens zu sehen seien, habe doch auch wiederholt Metz besucht, dort einen Teil der „Goldenen Bulle“ auf einem glänzenden Hof- und Reichstag verhandeln und verkünden lassen (der andere Teil wurde in Nürnberg beschlossen) und er habe einen Vertrauten als Bischof von Metz durchsetzen können, der immerhin von 1365 bis 1384 regierte, Dietrich Bayer von Boppard. Auch grenzt das Territorium der ursprünglichen Hausmacht Karls IV., Luxemburg, an Lothringen und mußte die Interessen seiner Bemühungen um eine Stärkung dieses westlichen Pfeilers seines Regnums berühren. Allerdings hat der Kaiser in seinen späteren Regierungszeiten Lothringen anscheinend keine besonde¬ re Aufmerksamkeit mehr gewidmet und ließ es in den wachsenden Einfluß der französischen Krone gleiten3. Die internationale Forschung (in erster Linie in Tschechien, Österreich und Deutschland) hat seit bald neunzig Jahren die Dokumente, das Wesen und die Ausstrahlung der Parler-Kunst untersucht4. Aber „Spurenelemente“ parlerischen 1 Die ausgedehnte Parler-Literatur kann hier nicht aufgeführt werden. Sie begann mit A. STIX: Monumentale Plastik der Prager Dombauhütte. In: Jahrb. d. kunsthist. Slgen, Wien, Bd. 27, 1908. Wichtigste Forschungsbeiträge lieferten Otto KLETZL: Zur Parierfrage. In: Wallraf-Richartz-Jahrb. Köln, N.F. 2/3 1933/34; Ders. Die Junker von Prag in Straßburg. Frankf. a. M. 1936; Ders.: Peter Parier. Leipzig 1940; J. Opitz: Die Plastik in Böhmen zur Zeit der Luxemburger, Bd. 1, Prag, 1936; K. M. SwOBODA u. E. BACHMANN: Studien zu Peter Parier. Brünn u. Leipzig 1939: K, M. Swoboda: Peter Parier. Wien 1940; Danach gab es zahlreiche neue Beiträge tschechischer, österreichischer u. deutscher Kunsthistoriker. Einen Überblick versuchte die Ausstellung „Die Parier und der Schöne Stil“, Köln 1978 mit dreibändigem Katalog und abschließendem Forschungsbericht. Darin findet sich alle wichtige Literatur verzeichnet. 2 Prof. Dr. Oskar SCHÜRER, gest. 1949, war zuletzt Ordinarius für Kunstgeschichte an der Techn. Hochschule Darmstadt. Von Ende 1945 bis zu seinem Tode war der Verf. vorliegenden Beitrags bei ihm Wiss. Assistent mit Lehrauftrag. 3 Karl IV., Staatsmann und Mäzen, hg. v. F. Seibt, München 1978. In diesem Sammelwerk sind zahlreiche Beiträge von Spezialisten veröffentlicht, auf die im vorliegenden Beitrag wiederholt hingewiesen wird; so auch im vorliegenden Fall auf das Kapitel, das sich mit Karls IV. Politik im Westen, in Lothringen (Oberlothringen) und gegenüber (und mit) Frankreich beschäftigt. 4 vgl. Anm. 1. 122