Flandern werden56. Der Titel eines Grafen von Narnür ging der Ermesindepartei und ihren Erben verloren. Der Kampf um Ermesindes Erbe endete in einem Vergleich. Er bestand darin, daß der Graf von Flandern qua Lehnsherrlichkeit ein Obereigentum an ehemals Namürer Besitz einschließlich seit Graf Albert II. (erwähnt 1031-1062) erheirate¬ tem Gut57 mit Ausnahme von Longwy und Luxemburg erhielt, während die gesamte Nutzung mit Ausnahme der Namürer Grafendomäne beim Grafen von Bar und Luxemburg lag. Dessen Lehnsdienst sollte formalrechtlich durch 500 Pfund jährlich abgegolten werden, die praktisch jedoch als Entschädigung für den verlorenen Teil der Grafschaft Narnür verstanden werden konnten. Daß dem gleichzeitigen Versuch, die barisch-luxemburgische Seite im deutschen Thronstreit antistaufisch und im europäischen Konflikt zwischen den Häusern Capet und Plantagenet antifranzösisch zu verpflichten58, kein Dauererfolg beschieden war, sei lediglich angedeutet. Für die weitgehende Behauptung des Ermesinde-Erbes sollte entscheidend werden, daß Ermesindes zweiter Gatte Walram von Monschau und Arel, seit 1221 auch Herzog von Limburg, für sich und seine ebenfalls zweite Gattin Ermesinde59 militärisch so nachdrücklich auftrat, daß ihm trotz Niederla¬ gen60 nicht nur die Bestätigung, sondern sogar die Nachbesserung des 1. Dinanter Friedens von 1199 im 2. Dinanter Vertrag von 1223 gelang, und zwar nunmehr ohne die reichs- und europapolitischen Implikationen61, aber unter Berücksichti¬ gung des neuen Namürer „Markgrafen“ Philipp II. (1216-26)62. Dieser Titel gilt als nurmehr kanzlistische Reminiszenz63. Auf eine Unterscheidung von Allod und Lehen wurde weder in der zeitgenössi¬ schen Historiographie noch in den Vertragstexten soviel Wert gelegt, daß man für Heinrichs des Blinden Erbmasse und deren Schicksal hier differenzierende Zuwei¬ sungen vornehmen könnte. Vielmehr sind in beiden Vertragstexten sogar Allod und 56 . . . ita videlicet, quod cornes Barrensis et heredes sui Mas quingentas libratas terre tenere debent iure hereditario a comité Flandrensi et a suis heredibus, et comes Barrensis recepit cum istis quingentis libratis terre in feodum de comité Flandrensi omne allodium, quod spectat ad Durbuis [!], et omne allodium, quod spectat ad Rocham, et etiam omnia alodia [!] et omnia feoda, que iacent in predicta divisione terre comitis Barrensis, que descendunt [!] de comitatu Namucensi, et de hiis predictis devenit homo ligius comitis Flandrensis, ita videlicet, quod . . PREVENTER (wie Anm. 13), S. 255f., hier etwas zuverlässiger als im UQB. 1 (wie Anm. 22), S. 775, Nr. 550 § 7. - Der Beginn dieses Zitats Steht oben in Anm. 48. 57 Strubbe/Voet (wie Anm. 2), S. 384. 58 Vgl. den 1, Dinanter Vertrag §§ 8f. und 13 mit der Burglehns vergäbe im Wert von t 250 jährlich durch König Johann Ohneland unter dem 19.VIII.1199; UQB.l, 1935, S. 775 und 776 = Prevenier (wie Anm. 13), S. 256 und 257 bzw. UQB. 2 (wie Anm. 22), S. lf., Nr, 1 [nur Regest], 59 Strubbe/Voet (wie Anm. 2), S. 374 und 380. 60 Reineri Annales zu 1214 (wie Anm. 45), S. 672, Z. 3-6. 61 UQB. 2 (wie Anm. 22), S. 161-164, Nr. 147 ist in seinen acht modernen §§ dem ebd.l, 1935, S. 774f. unter Nr. 550 wiedergegebenen Text §§ 1-7 nachgebildet, wie durch Wampachs Druck teilweise verdeutlicht wird - aber u.a. mit der oben bei Anm. 49 vermerkten Geldlehen-Vergrößerung. 62 Strubbe/Voet (wie Anm. 22), S. 386. - Die Markgrafenwürde ist durch Wampach in: UQB. 2 (wie Anm. 22), S. 163f,, Nr. 147 mittels Sperrung als Unterschied gegenüber dem „Grafen“ von 1199 suggestiv hervorgehoben. 63 Vgl. Jean-Louis Küpper, Raoul de Zähringen, évêque de Liège 1167-1191 (Académie Royale de Belgique. Mémoires de la Classe des lettres, Collection in 8°, Serie 2, Bd.72, Heft 2), Brüssel 1974, S. 184f. 74