Kurt-Ulrich Jäschke ermesindes Erbe. WURDE IN DER PRAKTISCHEN POLITIK NACH HEINRICHS DES BLINDEN TOD 1196 ZWISCHEN ALLOD UND REICHSLEHEN UNTERSCHIEDEN? Nach langer Regierungszeit - für die Grafschaft Namür1 wird er seit 1131 als Mitregent geführt - starb am 14. August 1196 Graf Heinrich der Blinde, in der Namürer Reihe der erste, bei den Luxemburgern der vierte seines Namens2. Vielleicht 1112, aber sicher als Sohn Graf Gottfrieds von Namür (f 1139) von dessen zweiter Ehefrau Ermesinde (t um 1141), verwitweter Tochter Graf Konrads I. von Luxemburg (f 1083), geboren3, war er zeitweise Graf auch von Longwy, Durbuy und Laroche sowie Obervogt von St. Maximin vor Trier, von Stablo- Malmedy und von Echternach gewesen4. Jetzt jedoch starb er in seinem Luxembur¬ ger Rückzugsgebiet, und zwar „von allen verlassen ... im Kloster . . . Echter¬ nach“5, als habe er nur dessen Obervogtei festhalten können. Er war Opfer einer Konzeption geworden, der zufolge im reichsgutarmen Lotharin¬ gien zulasten der Zähringer und zahlreicher Splitterherrschaften im Norden Lotha¬ ringiens aus sechs Grafschaften eine machtvolle Reichsmarkgrafschaft unter den staufertreuen Hennegauer Grafen entstehen sollte6. Von ihnen hatte Balduin V. (1171-95), verheiratet mit Margarete, Tochter des Flandern-Grafen Dietrich vom Elsaß (f 1168) und Schwester von dessen Nachfolger Philipp vom Elsaß (f 1191 )7, ohnehin eine Erwerbspolitik großen Stils betrieben: Nach Barbarossas Zustimmung 1 Zur „luxemburgischen“ Schreibweise von wallonisch „Namur“ (flämisch „Namen“) vgl. Paul Margue, Luxemburg in Mittelalter und Neuzeit, 10.-18. Jahrhundert (Handbuch der Luxemburger Geschichte 2, Luxemburg 1974, hier - 31988), S.30ff. u. ö. Sie wird hier deshalb gewählt, weil sie sich unmißverständlich und grammatisch unanstößig eindeutschen läßt. 2 Eg, I. Strubbe/L. Voet, De chronologie van de middeleeuwen en de Moderne Tijden in de Nederlanden, Antwerpen/Amsterdam 1960, S. 384 bzw. 379 - auch zum Folgenden! 3 Instruktive Tafeln bei Margue (wie Anm. 1), S. 22 und 30. 4 Strubbe/Voet (wie Anm. 2), S. 384. - Léopold GenicOT, Namur, in: Lex. des MA. 6 V (1992), Sp. 1011. - Lex. des MA. = Lexikon des Mittelalters. - Die hier und im folgenden erwähnten Örtlichkeiten sind nach Möglichkeit auf der beiliegenden Karte erfaßt. 5 MARGUE (wie Anm. 1), S. 32. - J. Newcomer, The Grand Duchy of Luxembourg. The évolution of nationhood, 963 A.D. to 1983, Lanham/New York/London 1984, S. 67. 6 D.F.I.857 von 1184 V (um 20, Mainz), S. 90f. - Vgl. Michel MARGUE, Ermesinde, in: Nouvelle Biographie Nationale de Belgique 2 (Brüssel 1990), S. 147, Sp. I. - GENICOT (wie Anm. 4), Sp. 1012. - D.F.I. + Nr. - MGH DD F.I. 7 Strubbe/Voet (wie Anm. 2), S. 366 und 393. 65