aufhaltsam vorangetriebenen infrastrukturellen und sozialen Fortschritts geschrieben, ohne daß die innerstädtischen Konflikt- und Interessenlagen systematisch in den Blick genommen wurden"3. In der Diskussion um die Zukunft der Saarstädte trat vor dem Hintergrund konkreter Sachzwänge, die aus der fortschreitenden Vernetzung der Konurbationszone an der mittleren Saar resultierten, das komplizierte Interessen- und Beziehungsgeflecht der verschiedenen bürgerlichen Gruppierungen ebenso zu Tage wie die Herrschaftsstrukturen des preußischen Obrigkeitsstaates. Darum liegt in der Betrachtung der Saarbrücker Städtevereinigung die Chance, "zu sehen, wie das Bürgertum seine politischen Gestaltungsmöglichkeiten im lokalen Raum nutzte"4. Einwohnerzahl Jahr (logarithmische Skala) Quelle : Haushaltspläne v. MB, SB, SJ Abb. 1: Die Bevölkerungsentwicklung in den Saarstädten (1850-1909) Die Vereinigungsmitiative Freilich trat ’das Bürgertum’, d.h. die Gesamtheit der gemäß der Kommunalver¬ fassung mitwirkungsberechtigten und auch tatsächlich engagierten Einwohner, in dieser Sache von Beginn an keineswegs als einheitliche Klasse mit deckungsgleichen Interessen auf. Bereits als Bürgermeister Neff von St. Johann im Jahre 1901 den 3 Friedrich Lenger, Bürgertum und Stadtverwaltung in rheinischen Großstädten des 19. Jahr¬ hunderts. Zu einem vernachlässigten Aspekt bürgerlicher Herrschaft, in: Lothar Gail (Hrsg.), Stadt und Bürgertum im 19. Jahrhundert, München 1990 (= HZ-Beih. 12), S. 99f. 4 Ebd, S. 98. 282