weitert oder torähnlich verengt und zur Wohnstraße wird. Die Straßen verlaufen nicht alle geradlinig, sondern im Bogen oder dem Gelände entsprechend. Zwei größere Arbeitersiedlungen (insgesamt ca. 250 Häuser "Auf der Acht" und an der "Ehleringer Straße", vgl. Abb. 6) sind zwischen 1910 und 1913 nach diesem Muster von der Gelsenkirchener Gesellschaft ausgeführt worden (vgl. Abb. 4). Die Häuser sind ein- bis zweigeschossige schiefergedeckte Putzbauten mit rustiziertem Sockel und haben ein steiles, z.T. tief ansetzendes Mansarddach, z.T. Zwischendächer, die Erdgeschoß und erstes Obergeschoß voneinander trennen und die Horizontale der Häusergruppen betonen. Als vertikale Elemente treten große Giebelfronten auf, die das charakteristische Erscheinungsbild der Siedlung markieren. Raumabschließende Eckgebäude fungieren als eine Art Torbauten. Zu diesen Grundschemata gibt es Va¬ rianten im Detail, etwa die Ausformung des Hauseingangs als Loggia oder mit Über¬ dach.15 Die Häuser haben z.T. Vorgärten. In der Regel befindet sich eine Stube und eine Küche im Erdgeschoß, zwei Schlafzimmer im ersten Obergeschoß, dazu Keller und Speicher. Hinter dem Haus liegt ein Garten und ein Anbau mit Stall (Abb. 7). Es gibt auch größere Wohnungen mit einem zusätzlichen Raum pro Geschoß. Die Zimmer liegen hintereinander mit seitlichem Treppenhaus oder nebeneinander mit seitlicher oder zentraler Treppe. Die Küche ist z.T. etwas größer als die Stube und wird zuweilen als "Wohnküche" bezeichnet. Die Größe der Küche bewegt sich um 17 bis 18 qm, die der Stube um 12 bis 18 qm. Der Abort befindet sich in der Regel außerhalb der Wohnung neben dem Stall. Die Häuser sind massive Konstruktionen, die im Verhältnis zur allgemeinen Wohnsi- tuation der Arbeiterschaft zu Beginn des Jahrhunderts einen größeren Wohnkomfort bieten und folglich begehrte Objekte sind. Die Vermietung der Häuser unterliegt jedoch einer strengen Aufsicht, die mittels der "Hausordnung und Mietbestimmungen für die Wohnungen der Gelsenkirchener Bergwerks-Akt.-Gesellschaft" in Form von 34 Artikeln geregelt wird. Wie bei Werkswohnungen damals üblich, sind neben Sicherheitsvorkehrungen und Instandhaltungsregelungen die Anbindung der Arbeiter an das Werk über die Arbeitszeit hinaus und die Kontrolle über ihre Familie und ihr Haus festgelegt: "Jeder Hausbewohner hat den Anordnungen der Angestellten, welche für die Befolgung der nachstehenden Vorschriften zu sorgen haben, unweigerlich nachzukommen. Diesen Beamten, welche einen Ausweis über die Zuständigkeit auf Verlangen vorzuzeigen haben, ist der Zutritt zu den Wohnungen zu gestatten. [...] Untervermietungen an Familien sowie das Halten von Kost- und Schlafgängern, wel¬ che bei der Gelsenkirchener Bergwerks-A.G. beschäftigt sind, ist nur mit Genehmi¬ gung der Häuserverwaltung gestattet. [...] Ruhestörungen, sowie Zusammenrottungen auf Straßen und Plätzen sind verboten." Auch auf das äußere Erscheinungsbild der Siedlung ist zu achten: "Alle von der Gel¬ senkirchener Bergwerks-A.-G. angelegten Anpflanzungen (auch Straßenanpflanzun¬ gen) sind auf das sorgfältigste zu pflegen, und während trockener, heißer Jahreszeit sind die Anlagen genügend mit Wasser zu besprengen (morgens vor Sonnenaufgang 15 Eine Typologie der Bauten wird nach der Vervollständigung des Planmaterials zu erstellen sein. 66