rus Erzbischof Drogo von Metz um 830/42 eine eigene Schrift gewidmet, in der er das Institut des Chorepiskopats verteidigte, was er wohl nicht allein deshalb tat, weil es ihm als einem Meister der Unterscheidung verschiedener Begriffsebenen unzulässig erscheinen mochte, aus einer Transponierung der Symbolik ,Hirt und Herde1 solche Konsequenzen für die Kirchenorganisation abzuleiten, sondern auch, weil die bonifa- tianische Tradition und die große Ausdehnung des Mainzer Sprengels ihm die Ver¬ wendung von Chorbischöfen als ganz natürlich und gut bewährt erscheinen ließh. Dennoch wurde allenthalben der Chorepiskopat abgeschafft. Die Trierer Provinzial¬ synode, die am 1. Mai 888 in St. Arnulf bei Metz stattfand, bestätigte schon einen älteren, nicht genau datierbaren Beschluß, wonach Kirchen, die von Chorbischöfen geweiht worden waren, nicht als gültig geweiht galten und vom Ortsbischof erneut konsekriert werden mußten. Demnach war in der Trierer Kirchenprovinz die tradi¬ tionelle Funktion des Chorepiskopats zu diesem Zeitpunkt bereits ausgelaufen6 7. Nur Mainz wollte noch bei der alten Regelung bleiben, wofür sich Erzbischof Liut- bert 887/888 Rückendeckung bei Papst Stephan V. holte8 *. Im 10. Jahrhundert begeg¬ nen aber auch hier keine Chorbischöfe älterer Ordnung mehr, während sich der Titel Chorbischof für einen Archidiakon aber vielerorts noch recht lange hielt-. Für Metz muß jedoch spätestens mit dem Jahr 888 eine Umorganisation in der Weise ange¬ nommen werden, daß an die Stelle von Chorbischöfen älterer Ordnung nun Archi- diakone traten. 2. Besonderheiten der Metzer Bistunisorganisation und Methode der Untersuchung einer vermuteten Archidiakonatsstruktur Schon der bisherige Einblick in die Materie zeigt, daß die Struktur der geistlichen Verwaltung selbst im gleichen Zeitraum bei verschiedenen mittelalterlichen Bistü¬ mern stark voneinander abweichen konnte. Das trifft jedoch nicht allein für die 6 Hrabani epistolae Nr. 25, ed. Ernst Dümmler, MGH Epp. 5, Berlin 1898/99 S.431-439 Nr. 25. - Zu den Mainzer Chorbischöfen, die Hraban sehr schätzte vgl. Franz Falk, Die Mainzer Weihbischöfe (Chorbischöfe) des 9. Jahrhunderts, in: Historisches Jahrbuch 28 (1907) S. 570- 577. - Exponent der Kampagne gegen die Chorbischöfe war Hinkmar von Reims, vgl. Semmler, Mission (wie Anm. 4) S. 874f. 7 Statuta synodalia, ordinationes et mandata archidioecesis Trevirensis 1, ed. Johann Jakob B lat tau, Trier 1844 S. 4 Nr. 1 cap. 5. Bischof Ruotpert von Metz (883-917) war damals offenbar nicht in der Stadt, da er an der Synode nicht teilnahm und die Angelegenheiten sei¬ ner Kirche vom Primicerius Guntbert (ebd. cap. 4) vertreten wurden; zu dessen Namen vgl. unten Anm. 60. Zum cap. 5 vgl. Hubert Bastgen, Die Entstehungsgeschichte der Trierer Archidiakonate, Trier 1906 (Theol.Diss. Breslau) S. 28-30, Gottlieb, Chorepiskopat (wie Anm. 5) S. 134f. 8 Provincia Maguntinensis, pars IV: S. Bonifatius, archidioecesis Maguntinensis, abbatia Fulden- sis, bearb. von Hermann Jakobs (Regesta Pontificum Romanorum, Germania Pontificia 4/4), Göttingen 1978 S.68 Nr. 43; vgl. auch oben Anm. 6. 5 G o 111 i e b , Chorepiskopat (wie Anm. 5) S. 141-143, vgl. auch May, Organisation (wie Anm. 4) S. 42-48. 88