Buchhandel. Infolgedessen verlief der Absatz der 5.000 Exemplare nur sehr schlep¬ pend; für die letzten 2.000 Bücher brauchte Vogel ganze fünf Jahre19. * * * Offizieller Schlußpunkt der politischen Arbeit des Bundes der Saarvereine war dessen Jahrestagung Ende März 1935 in Saarbrücken20. Erstmals verzichtete man bei einer Bundestagung auf die sonst obligatorische öffentliche Massenkundgebung. Die Wiedersehensfeier verlief nicht nur im Vergleich zu den beiden Staatsakten der vergangenen Jahre unspektakulär, was den Beobachter des Auswärtigen Amtes zu der Feststellung veranlaßte, daß sie bei ihm keinen besonderen Eindruck hinterlassen habe21. Die Resonanz auf die Einladung zur Vertreterversammlung am vorletzten Märzwochenende war gewaltig; 268 Ortsgruppen waren durch Delegierte und selbständige Obleute repräsentiert, wobei zahlreiche Ortsverbände ihre Beteiligung von einem Fahrgeldzuschuß abhängig machten. Von seiten der Behörden und der Partei hingegen wurde kaum Interesse bekundet; zwar nahmen Voigt und Neikes offiziell an den verschiedenen Sitzungen teil und es gingen wieder zahlreiche Begrü¬ ßungsschreiben der Ministerien ein, aber die Reichskanzlei hielt es schon nicht mehr für notwendig, Geleitworte zu übersenden. Reichskommissar Biirckel dankte dem Bund schriftlich für die geleistete Arbeit, verzichtete allerdings darauf, einen Stell¬ vertreter zu entsenden. Die Delegiertenversammlung im Festsaal des Saarbrücker Rathauses begann mit der kontovers geführten Debatte über die Zukunft des Bundes. Ein Teil der „Saar¬ freunde“ hielt die Organisation für nicht weiter lebensfähig und riet zur Auflösung, andere Redner plädierten dafür, es in das Ermessen der Ortsgruppen zu stellen, ob sie weiterhin als landsmannschaftliche Vereinigungen innerhalb eines modifizierten Bundes bestehen wollten. Debusmann, der als Bundesvorsitzender die Sitzung leitete und sich für die Umwandlung der Organisation in den „Bund der Saar- und Pfalzver¬ eine“ aussprach, konnte in der anschließenden Abstimmung die Mehrheit hinter sich bringen. Einstimmig wurde er auch von den Delegierten zum Vorsitzenden der Landsmannschaft gewählt22. Während der anschließenden, lediglich einstündigen öffentlichen Festsitzung im städtischen Saalbau zogen Vogel und Andres die Gesamtbilanz der Saarvereinsarbeit. 19 Vgl. Briefe der Parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutz des NS-Schrifttums an Vogel (03.11.36 und 17.11.36), in: LA Saarbrücken, NL Vogel 27. Erst im Dezember 1941 waren alle 5.000 Exemplare verkauft: Vgl. den Schriftverkehr in: Ebd. 20 Vgl. VOGEL: Die großen deutschen Saarkundgebungen, S. 312-318; SF 15/16 (1934/35) 31, S. 671-694; Tagesordnung (12.03.35), in: BA-R 8014/116; „Völkischer Beobachter“ (24.03.35). 21 Vgl. Aufzeichnung Strohms (25.03.35), in: PA AA, II a Saargebiet, R 76.098. 22 Damit kam er der Forderung des BDW sowie des Neustädter Gauleiters Bürckel nach, der dem Bund in seiner ursprünglichen Form zwar nie große Sympathien und Interesse entgegengebracht hatte, nichtsdestotrotz aber wünschte, daß die landsmannschaftliche Verbundenheit erhalten bliebe und dem Aufbauwerk im Gau Pfalz-Saar zur Verfügung stünde: Vgl. Geleitschreiben Biirckels zur Tagung, in: SF 15/16 (1934/35) 31, S. 692. Der Leiter des Bundes sollte als Sachberater bei der Gauleitung fungieren. Vgl. Dollwet, S. 5. 409