Arbeitsplatz Vorgefundenen sozialen Strukturen und Beziehungen in der Regel auch innerhalb der Vereine fort, die mehrheitlich von Akademikern geführt wurden. Insofern waren die Ortsgruppen ein Spiegelbild der deutschen Gesellschaft zwischen den Kriegen. Da eine Verkürzung der im Versailler Vertrag festgelegten 15jährigen Frist bis zum Plebiszit nicht ausgeschlossen werden konnte, war von Anfang an die Erfassung der Abstimmungsberechtigten intendiert. Natürlich mußte man diese nicht eigens über¬ zeugen. ihre Wahl zugunsten der dritten Alternative, der Rückgliederung an Deutsch¬ land, zu treffen, wohl aber war es notwendig, sie bei der Stange halten. Als Sammel¬ becken abstimmungsberechtigter Saarländer bildeten die Ortsgruppen damit die Voraussetzung für die Mobilisierung der 48.000 Wähler aus dem Reichsgebiet, die am 13. Januar 1935 zur Stimmabgabe an die Saar fuhren. Etwa jede fünfte Reichsmark erhielt die Geschäftsstelle „Saar-Verein" aus Staats¬ mitteln: fast den gleichen Anteil brachten die körperschaftlich angeschlossenen Kommunen auf. Da allerdings weder die Ministerien in Berlin und München noch die „Saar-Freunde“ in der Königgrätzer Straße ein Interesse daran haben konnten, die Verbindungslinien und Finanzierungskanäle publik zu machen, wurde die Fassade der unabhängigen Saarpropaganda konsequent bis zuletzt nach außen aufrechter¬ halten. 122