ein Werk, das trotz der subjektiven Perspektive seines Autors einen hohen Wert als zeitgenössische Quelle besitzt16. Nach der Abwicklung seiner Geschäftsstelle ist der Bund der Saarvereine weitgehend in Vergessenheit geraten, und es drängt sich der Eindruck auf, daß auf Betreiben nationalsozialistischer Parteistellen eine „damnatio memoriae“ stattgefunden hat. Sofern die neuere Forschung die Assoziation überhaupt thematisiert, zeichnet sie ein lückenhaftes17 *, verzerrtes1* oder schlichtweg falsches14 Bild. Selbst in Darstellungen, welche die Bedeutung der reichsdeutschen Abstim¬ mungsberechtigten erkannten, sucht man den Bund der Saarvereine vergebens20, was daran liegen könnte, daß der Bund zumeist pauschal mit anderen Vereinigungen in die Nationalismusschublade gesteckt und damit sein Potential verkannt wurde21. Das kritische Urteil Fritz jACOBYs, daß die Vereinigung nur auf unterer Ebene aktiv geworden sei und daher die offizielle Saarpolitik nicht entscheidend habe beein¬ flussen können22, erwies sich als wegweisend für die nachfolgende Forschung. Wie diese Arbeit zeigen wird, muß der Schlüssel seines Erfolges aber insbesondere hier gesucht werden: Gerade weil der Bund der Saarvereine unterhalb der Behördenebene direkt mit den Menschen an der Saar und vor allem mit den Tausenden Exilsaarlän- dem kommunizierte, band er diese schon lange Jahre vor der Abstimmung 1935 an sich und hielt unter ihnen die emotionalen Bindungen an die einstige Heimat wach. Die erste zentrale Fragestellung dieser Arbeit ist die Struktur der Heimatschutzbewe¬ gung. Wie entstand der Bund der Saarvereine, welche Entwicklungslinien lassen sich skizzieren, wo wurden Akzente gesetzt und wie reagierten die „Saareinwohner“ auf die Organisation? Aus welchen sozialen Milieus stammten die Mitglieder und Funktionäre der schließlich 400 Ortsgruppen im Deutschen Reich, wie finanzierte sich der Verein und welche Interessen verfolgten hierbei Behörden, Wirtschafts¬ verbände oder private Proteges? Welche Unterschiede lassen sich nach der na¬ 16 Vogel leitete die Berliner Geschäftsstelle und war der Hauptakteur der privaten Saarpropaganda. 1983 erschienen zwei kürzere Aufsätze über den BdS: Vgl. Dollwet und WEISSBECKER; BSv. 1 Vgl. Zenner: Parteien und Politik. S, 174 und S. 258. 18 LlNSMAYER (Politische Kultur, S. 427) beispielsweise sah die primäre Funktion des Vereins als Koordinationsstelle für Reisen saarländischer Vereine ins Reichsgebiet; Bungert/ LEHNERT(S. 53-56) konstatierten nicht ganz zutreffend, daß der BdS nach 1933 die saarländischen Vereine „ferngesteuert“ habe. Vgl. ebenso BlES: Klassenkampf, S. 86; VON ZUR MÜHLEN: Schlagt Hitler, S. 46 und S. 73. |y So beispielsweise GESTIER, S. 53, S. 67 (Anm. 29) und S. 104, der den Gleichschaltungsprozeß des Vereins untersuchte oder HAUPERT/ SCHÄFER (S. 130), die dem Bund schon um 1930 große Affinität zur NSDAP attestierten. 20 Vgl. GEBHARDT: Das Saargebiet, S. 96 21 Vgl. hierzu Mallmann/ Steffens, S. 160; PAUL: Bastion im Westen, S. 31 f.; Zenner: Parteien und Politik, S. 258. immerhin wurde der BdS als einziger landsmannschaftlicher Verband des Westens für wert empfunden, in das ostdeutsche „Lexikon zur Parteiengeschichte“ aufgenommen zu werden. Liest man diese Darstellung gegen den ideologischen Strich, so bietet sie einen guten Gesamtüberblick; auch Weissbecker (BSv, S. 281) gelangt zu dem Schluß, daß die Bedeutung des Bundes bislang unter¬ schätzt worden sei. Ansonsten ignorierte die DDR-Historiographie den BdS, obwohl dessen Akten im Potsdamer Zentralarchiv deponiert waren: Vgl. beispielsweise: MARKUS. 22 Vgl. Jacoby, S. 36 und S. 127. 14