dürfte in diesem Zusammenhang das Faktum sein, daß gerade die Abtei Neuburg eine sehr enge Beziehung zu den Staufern hatte, denn Barbarossas Vater war neben Graf Reinhold von Lützelburg einer der Stifter jener Abtei715. Der Vorgang der Güterschenkung des Dagsburger Grafen an eine sogenannte staufische Hausabtei scheint vor der Folie der früheren Auseinandersetzungen so ungewöhnlich, daß Vollmer sogar von einem möglicherweise freundschaftlichen Verhältnis zwischen den beiden ehemaligen Konkurrenten sprechen konnte716. Die Stellung des Staufers war jedoch in dieser Zeit im Reich so gefestigt, daß man eine Annäherung Hugos VIII. an den Staufer als zwangsläufig und notwendig ansehen kann. Ebenso möglich ist aber, daß Hugo VIII. im Angesicht seines nahen Todes mit seiner Schenkung an Neuburg gegenüber den Staufern ein versöhnendes Zeichen setzen wollte, vielleicht um für die künftige Politik seines Sohnes und Nachfolgers, Albert II., günstige Ausgangsbedingungen zu schaffen. Es darf jedoch dabei nicht verkaimt werden, daß zwischen den ehemals streitenden Parteien, den Dagsburgem einerseits und den Staufern andererseits, immer noch großes Konfliktpotential vorhanden war. Im Oberelsaß hatte Hugo VIII. keineswegs dem Staufer das Feld geräumt. So lassen sich nach der Horburger Fehde durchaus noch Aktivitäten der Dagsburger Grafen erkennen. Wir besitzen nämlich eine Urkunde Hugos VIII. aus dem Jahre 1175, die er für die oberelsässische Zisterzienserabtei Pairis, die einst sein Verwandter Ulrich von Egisheim gestiftet hatte717, ausgestellt hat und die die Schenkung des Tales Altpairis und des Ortes Remomont an die Abtei durch Hugo VIII. dokumentiert718. Auch versuchten die Dagsburger Grafen, teilweise mit Erfolg, ihre Stellung und ihren Einfluß in Colmar zu halten719. Ebenso konnte Hugo VIII. in seinen übrigen Besitzungen im Unterelsaß und in Ober- und Niederlothringen seinen Einfluß und wichtige Positionen gegenüber dem Stauferkaiser behaupten, z. B. konnte er den Bestand der ererbten Vogteien für seine Lebenszeit weitgehend erhalten720. Als Beispiele seien, da für die Zeit nach der großen Auseinandersetzung mit Friedrich I. entsprechende Urkunden Hugos VIII. existieren, für das Unterelsaß die wichtige Vogtei über die Abtei Andlau721 - die allerdings nach dem Tod Hugos VIII. an Friedrich Barbarossa fiel722 - und für Oberlothringen die Vogtei über die Prämonstratenserabtei Salival 715 Siehe D F I 136, S. 228 ff., zu diesem wahrscheinlich im Februar 1156 in Frankfurt ausgestellten Diplom Friedrichs I., in dem Hugo VIII. in der Zeugenreihe erscheint, was aber wohl primär mit seiner Anwesenheit am Frankfurter Hoftag Friedrichs I. zu¬ sammenhängt, siehe oben, S. 258 mit den Anm. 609 u. 610. 716 Siehe auch Vollmer, Reichs- und Territorialpolitik, S. 36. 717 Zur Stiftung der Abtei siehe oben, S. 238 mit Anm. 499. 718 Original in Colmar, AD HR, Fonds Pairis 11 H 1, n° 3, siehe im Anhang, Urkunde Nr. 3. 7,9 Siehe dazu unten im Kap. 'Vogteien' den Art. 'Colmar'. 720 Siehe dazu unten das Kap. 'Vogteien'. 721 Um das Jahr 1175 ist er zusammen mit der Äbtissin Hadewigis von Andlau bei einer Rechtshandlung eines gewissen Hugo anwesend, der ihm zu Erbrecht gehörende Güter an die Abtei Andlau tradiert. Druck der Urkunde bei Würdtwein, 10. Bd., Nr. 19, S. 50 f.; zur Datierung siehe ebda , S. 51. 722 Siehe unten im Kap. 'Vogteien' den Art. 'Andlau'. 273