Nach Casparys eigener Aussage 1973 stand die SA im Gaubereich Bürckels, wie auch die SS, fest in dessen Hand. Sie war Träger der Judenboykotte im April 1935 im Saarland und vermutlich weiterer Aktionen gegen Juden im Sommer 1935 so¬ wie zahlreicher Repressalien gegen wirkliche und vermeintliche Gegner danach; sie war eine willfährige "Hilfspolizei" in der Hand der NSDAP und beteiligte sich auch an der Saar am Novemberpogrom des Jahres 193825. Ihre spätere Rolle als Hilfstruppe der Wehrmacht verbannte sie in die politische Bedeutungslosigkeit. Aufgrund der Kriegslage im Herbst 1944 war Caspary von Bürckel mit der Auf¬ stellung von Volkssturmbataillonen beauftragt worden, die dieser dann der Wehr¬ macht unterstellte. Bereits vorher hatte er selbst 500 SA-Männer aus seinem Gruppenbereich nach Metz zur Verstärkung der dortigen Polizei beordert, wo sie im Einsatz gegen Partisanen (Hausdurchsuchungen) tätig waren. Bei der Zurück¬ verlegung der Truppe wurden sie der SS bzw. der Wehrmacht eingegliedert26. SS Im Gegensatz zur SA datiert die Entstehung von SS-Formationen an der Saar27 erst aus dem Jahre 193128; bescheidene Anfänge gab es jedoch bereits früher mit den Führern Ludwig Reinhardt (1926) und Hans Georg Matthias (1927). Nach Aussage von Alfons Mötsch (Altheim, Mitglied der ehemaligen Standarte 10 der SS seit Ende 1929) waren 1931 nur 16 SS-Männer vorhanden; jedem einzelnen von ihnen habe Himmler, als er die kleine Gruppe im Saalbau in Saarbrücken be¬ sichtigte, die Hand gegeben. Rege Kontakte bestanden zu der von Standartenführer Schmelcher (Adj. Heckmüller) geführten pfälzischen SS-Standarte 10, deren erste Anfänge allerdings schon aus dem Jahre 1926 datieren und die nach ihrem Verbot von Schmelcher 1929 in der Pfalz neu gegründet worden war. Das Jahr 1931 nennt auch Peter Baltes als das Geburtsjahr der saarländischen SS. Im November 1932 existierte in Saarbrücken der SS-Sturm 4/1/10. Unter Führung von Paul Lonsdorfer entstand nun in kürzester Zeit ein Instrument der nationalsozialisti¬ schen Bewegung, das in steter Konfrontation mit der marxistischen Front lag. Lonsdorfers Helfer waren Hermann Koch und Alfons Mötsch. Treffpunkte für Ver¬ sammlungen waren das "Gustav-Adolf-Haus" in Saarbrücken, die "Turnhalle" in Sulzbach, der "Karlsbergsaal" in St. Ingbert, das "Gasthaus zum Waldhorn" in Bildstock sowie das "Gasthaus Horch" in Saarbrücken. Auch Willi Dansauer, seit 1931 Mitglied in der Saarbrücker Ortsgruppe der NSDAP, gehörte seit Anfang 1932 zur SS; er arbeitete seit April 1932 hauptberuflich in der Landesleitung der 2*> Siehe auch Kl-M. Mallmann, G. Paul, Herrschaft, S. 10 lf. Auf Casparys Anweisung im Frühjahr 1945 hin wurden alle Akten der Kreisleitung und der SA-Brig. 151 in Hochöfen der Brebacher Hütte verbrannt (einschl. Pers.-Akten); die restlichen Akten nach Cas¬ parys Rückzug nach Schliersee dort ebenfalls verbrannt. 27 Am 9.11. 1925 im Reich gebildete Schutzstaffel; von München aus geleitet, als Organisation zum "Schutze des Führers und zum Versammlungsschutz"; ab 1926 auch mit passiven Mitgliedern; erster Führer Julius Schreck, dann Josef Berchtold, Erhard Heiden, Heinrich Himmler; am 2.9.1930 über¬ nahm Hitler selbst die oberste Führung von SA und SS. 28 SDN JO 14, 1933, S. 408. 366