Interessen widersprechende(n) Umgestaltung"14 die Rede war. Prof. Steinbach hatte u.a. auf die Bedeutung der Haardt-Linie hingewiesen und vorgeschlagen, im Falle einer Neugliederung des Reiches die Westpfalz dem Saargebiet zuzuteilen und den östlich der Haardt-Linie gelegenen Teil der Pfalz einem rheinfränkischen Bezirk mit wirtschaftlichem Mittelpunkt in Mannheim, Ludwigshafen oder Karlsruhe einzuverleiben. Sowohl diese Teillösung als auch der Plan des großen Reichsgaues im Südwesten waren mit Hitlers Entscheidungen vorerst ad acta gelegt; der von Saassen prokla¬ mierte Status quo ante wurde ebensowenig wiederhergestellt. Bürckels Absicht der Ausweitung seines Machtbereichs als Gauleiter der Pfalz und der Saar war jedoch verwirklicht. Das Verwirrspiel um die administrative Neugestaltung des Saarlandes seit dem Herbst 1933 hatte nicht nur auf verschiedenen Verwaltungsebenen des Reiches Unsicherheit ausgelöst, Mißverständnisse traten auch im Zusammenhang mit der Gaueinteilung auf, konkurrierten doch hierbei staatliche Behörden mit Dienststel¬ len der Partei (NSDAP). In diesem Sinne, nämlich der staatsrechtlichen Einord¬ nung der neuen Saarregelung, ist auch die Anfrage der US-Botschaft vom 18. Ja¬ nuar 1935 zu verstehen, die dahin lautete, "as to what administrative division of the Reich the territory of the Saar will be attached upon its reintegration with Germany"15. Schließlich habe man die Vereinigung des Saargebietes zu einem Gau mit der Pfalz zur Kenntnis genommen, doch bestehe Unklarheit darüber (unter Bezug auf die "Deutsche Allgemeine Zeitung" vom 3. Januar 1935), ob un¬ ter Gau bereits ein administrativer Distrikt zu verstehen sei, wie es in der Rede des Innenministers vom 15. November 1934 dargelegt worden sei oder ob "for the pre¬ sent it only represents a territorial designation for purposes of the Nationalsocialist Party". Die entsprechende Aufklärung des Reichsinnenministeriums lautete dahin¬ gehend, daß das Saargebiet bis zur Eingliederung in einen Reichsgau einen selb¬ ständigen Verwaltungsbezirk bilde, ein Gau bisher noch eine Gebietseinteilung der NSDAP darstelle und sowohl der Zeitpunkt, in dem das Reich in Reichsgaue ge¬ gliedert werde, als auch der Zeitpunkt, wann die Eingliederung des Saarlandes in einen Reichsgau erfolge, noch nicht bestimmt sei16. Bei der Diskussion um die Wiedereingliederung des Saargebietes in das Reich hat¬ te auch der Reichsminister des Innern Dr. Frick ursprünglich an eine Rückführung zu Preußen und Bayern gedacht, hierbei jedoch auf Hitlers Auffassung einschwen¬ ken müssen, sollte doch die Ländergewalt nicht mehr neu belebt werden. Ähnliche Vorstellungen hatte auch der preußische Finanzminister, Dr. Popitz, der auf die großen preußischen Opfer zur Rückgewinnung des Saargebietes hinwies, wie z.B. 54 Sehr. d. Reg.Präs. v. Trier an den Preuß. Innenminister v. 14.11.1933. StaatsA Koblenz, Abt. 442, Nr. 8.548, S. 1-3, ediert von F. Jacoby, Herrschaftsübemahme, S. 224ff. 15 Anfrage Nr. 408 v. 18.1.1935 an den Reichsaußenminister. AA...betr. Die Rückgliederung des Saar¬ gebietes 1935, Bd. 1. Das Reichs- und Preuß. Ministerium d. Innern an das AA v. 2.2.1935 und Verbalnote an die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika (II SG 1.308) v. 11.2.1935. Ebd. Bd. 2. 175