wie überall in Deutschland, die völlig unzureichende Versorgung mit Schulheften, Schul¬ büchern und Unterrichtsmitteln aufgrund eines akuten Papiermangels111. Nachteilig beeinträchtigt wurde der Schulbetrieb zudem noch durch Versorgungsmängel bei Gebrauchsartikeln verschiedenster Art. So beklagte sich im Jahre 1947 der soeben ge¬ gründete Verband katholischer Erzieher über einen großen Mangel an Uhren, der an vielen Schulen immer wieder einen geordneten Unterricht in Frage stelle112. Das größte Hindernis für einen regelmäßigen und gedeihlichen Schulbetrieb bestand je¬ doch bis zum Jahre 1949 in einem eklatant spürbaren Lehrermangel. Das galt in erster Linie für den Bereich der Volksschulen, hier mußte die durchschnittliche Klassenfrequenz sogar von 50 auf 60 Schüler heraufgesetzt werden113. Weniger angespannt war dagegen die Personalsituation innerhalb der höheren Schulen und der Berufsschulen bzw. Fach¬ schulen, weil hier oft auf ehemalige deutsche Lehrer aus dem Lothringischen, die nach 1945 ins Saarland kamen, zurückgegriffen werden konnte. So fanden zum Beispiel bis zum Jahre 1948 etwa 80 Philologen, die vorher dort tätig gewesen waren, an der Saar eine neue Aufgabe114. Aus diesem Grunde konnte sich im gymnasialen Schulbereich die Zahl der Lehrpersonen schon bald auf den Vorkriegsstand einpendeln und dies, obwohl im gleichen Zeitraum die Zahl der Gymnasiasten leicht rückläufig war115. An den Berufs¬ schulen erreichte man sogar einen echten Zuwachs, wobei hier freilich die zunehmende Bedeutung und Differenzierung dieser Schulgattung eine gewisse Rolle spielte116. Schlimm blieb dagegen die personalpolitische Situation im Bereich der Volksschulen. Dort zählte man im Dezember 1946 insgesamt 2308 Lehrkräfte, eine Quote, die eindeutig unter dem Vorkriegsstand von 3281 lag117. Bis zum 1. Oktober 1949 konnte dieser Wert ungeachtet unerträglicher Klassenfrequenzen von bis zu 70 Schülern mit Mühe auf 2 633 gesteigert werden118. Erwägen muß man dabei den Faktor einer starken Überalterung der 111 Vgl. dazu die Situationsberichte der einzelnen Referate der Schulabteilung der Verwaltungskom¬ mission (vom 8. 10. 1946 an) für die Zeiträume 1. 10. bis 31. 12. 1946; 1.1. bis 31.3. 1947 und 1. 7. bis 30. 9. 1947. LA Saarbrücken, Bestand KM, Abt. Allgemeine Verwaltung, Z II - A - 1. Vgl. hierzu auch die monatlichen Berichte der Éducation Publique innerhalb der Saarbrücker Mi¬ litärregierung im Zeitraum März 1946 bis Oktober 1947, die insgesamt die vorher geschilderte mißliche Schulsituation an der Saar deutlich machen und vor allem den katastrophalen Mangel an notwendigem Unterrichtsmaterial beklagen. LA Saarbrücken, Bestand Handelsamt Saar Nr. 2-11. 112 Verband katholischer Erzieher des Saarlandes an Verwaltungskommission vom 9. 11. 1947. Sammlung des Verbandes katholischer Erzieher des Saarlandes, Ablage 1948 - 1956. 113 Lagebericht Referat Volksschulen für den Zeitraum 1. 7. bis 30. 9. 1947. LA Saarbrücken, Be¬ stand KM, Abt. Allgemeine Verwaltung, Z II - A - 1. 114 Interview H. Kuhn vom 11. 12. 1975. 115 1945 gab es an den saarländischen Gymnasien 344 Lehrkräfte, 1946 waren es 429, 1947-447 und 1949 exakt 477. Statistisches Handbuch (Saarland 1950), S. 182. Einem Aktenvermerk, der wahrscheinlich im September 1945 angefertigt wurde, ist zu entnehmen, daß vor dem Kriege im Saarland rund 500 Lehrer an höheren Schulen tätig gewesen seien. LA Saarbrücken, Bestand KM, Abt. Allgemeine Verwaltung, Z II - A 2 g 1945 - 1947. 116 Im Bereich der gewerblichen und hauswirtschaftlichen Berufsschulen nahm die Zahl der haupt¬ amtlichen Lehrkräfte im Zeitraum 1946 bis 1949 von 166 auf 299 (=50 %) zu, gleichzeitig stieg die Schülerzahl von 20 417 auf 24 634 (= 20,6 %). Die entsprechenden Werte für die kaufmän¬ nische Berufsschule lauten: 36 (1947) :71 (=100%)und3 488 :4 942 (=41,5 %). Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auf den rückläufigen Trend innerhalb der städtischen Handels¬ schulen und der Landwirtschaftsschulen. Statistisches Handbuch (Saarland 1950), S. 183 f. 117 Rapport détaille der Éducation Publique innerhalb der Saarbrücker Militärregierung für die Mo¬ nate Mai bis Juli 1946. LA Saarbrücken, Bestand Handelsamt Saar Nr. 8. 1,8 Statistisches Handbuch (Saarland 1950), S. 181. 84