Wechselunterricht104, überfüllte Klassen105 und die Unterbringung in hygienisch meist unzulänglichen Gasthaussälen und mehr oder minder baufälligen Baracken106, die in der Folge den allmählich überall im Land in Gang kommenden Schulbetrieb stark beeinträch¬ tigten. Solche beklagenswerten Zwänge konnten erst vom Jahre 1947 an allmählich abge¬ baut werden. Von da an hörten auch die Beschwerden über vorhandene Bauschäden, feh¬ lende Verglasung und mangelhafte Beleuchtung auf. Dafür wurden andere Kümmernisse umso lauter vorgetragen. So erwähnen die Lageberichte der Schulbehörden bis zum Jahre 1949 wiederholt eine hohe Quote an Schulversäumnissen107 und zahlreiche Krankmel¬ dungen des Lehrpersonals. Die Ursache für diese leidigen Vorkommnisse sah man zu Recht in der damals sehr schlechten Ernährungslage, in der völlig unzureichenden Klei¬ derversorgung, wobei vor allem immer wieder ein erheblicher Mangel an Schuhwerk be¬ klagt wurde, und schließlich in den zum Teil katastrophalen Wohnverhältnissen, die wegen nicht intakter sanitärer Einrichtungen oft in einem menschenunwürdigen Zustand waren108. Eklatant blieb trotz der Nähe zu den Kohlengruben das Problem mangelnder und mangelhafter Heizung109. In der kalten Jahreszeit mußte manche Schule geschlossen werden, weil die Wärmeversorgung aus technischen Gründen oder wegen ausbleibender Lieferungen des Brennmaterials ausfiel. Noch im Winterhalbjahr 1947/48 mußten die Höchsttemperaturen für die Beheizung der Schulen auf 15 Grad Celsius für die Monate November, Dezember und März und auf 18 Grad Celsius für die Monate Januar und Fe¬ bruar festgesetzt werden. Der Unterricht durfte sogar ausfallen, wenn in den genannten Zeiträumen die Klassentemperaturen unter 14 Grad Celsius (Januar und Februar) bzw. 12 Grad Celsius (November, Dezember und März) fielen110. Hinderlich für einen rei¬ bungslosen Unterricht erwies sich ferner das Problem fehlender Schulmöbel. Dazu kam, 104 Über die Praktiken des Wechselunterrichts berichtete der Saarbrücker Dechant A. Braun vom ka¬ tholischen Pfarramt St. Michael an das Bischöfliche Generalvikariat in Trier noch im Jahre 1950. Dort heißt es: Wegen Mangel an Schulräumen haben abwechselnd Knaben und Mädchen in der einen Woche vormittags, in der anderen Woche nachmittags Schulunterricht. Braun an General¬ vikariat vom 27. 2. 1950, BA Trier, Abteilung 59, Nr. 64. 105 Im Jahre 1946 erreichten die Bildungseinrichtungen im Saarland im Schnitt folgende Klassen¬ stärken: Volksschulen 50, Mittelschulen 44, Gymnasien 27, berufsbildende Schulen 37. Er¬ rechnet nach Statistischem Handbuch (Saarland 1950), S. 181 ff. 106 Zitiert nach einem Bericht der Saarländischen Volkszeitung vom 29. 12. 1952. Ein besonderes Problem waren die Landwirtschaftsschulen. So ist einem Lagebericht des Referats für Landwirt¬ schaftsschulen (innerhalb der Schulabteilung der vom 8.10.1946 an existierenden Verwaltungs¬ kommission) für den Zeitraum Oktober bis Dezember 1946 zu entnehmen: Die Unterbringung der Klassen begegnete großen Schwierigkeiten. Saarburg (vom 18. 7. 1946 bis 8. 5. 1947 vor¬ übergehend zum Saarland gehörend), Saarlouis und Losheim sind notdürftig und vorübergehend untergebracht. Lagebericht Referat V - Landwirtschaftsschulen - für den Zeitraum 1. 10. - 31. 12. 1946. LA Saarbrücken, Bestand KM, Abt. Allgemeine Verwaltung, Z II - A - 1. 10 Im Februar 1947, der allerdings ungewöhnlich kalt war, erreichte man einen durchschnittlichen Wert von 15 v. H. fehlender Schüler. In der hauswirtschaftlichen Abteilung der Berufsschulen stieg er sorgar auf 33 v. H. Aber selbst noch im Mai 1947 meldeten die Schulen eine Mittelquote von 10,5 v. H, Schulversäumnissen. Nach Berichten der Éducation Publique innerhalb der Saar¬ brücker Militärregierung für die Monate Februar und Mai 1947. LA Saarbrücken, Bestand Han¬ delsamt Saar Nr. 5 bzw. Nr. 6. 108 Vgl. dazu z. B. den Lagebericht des Referats Volksschulen für den Zeitraum 1.10. -31.12.1946. LÀ Saarbrücken, Bestand KM, Abt. Allgemeine Verwaltung, Z II - A - 1. 109 Ebenda. 110 Nach E. Bopp. S. 17. 83