C. Zusammenfassung 1. Der mit der Residenzfunktion verbundene gestiegene Flächenbedarf der Stadt bestärkt den aus finanziellen und Sicherheitsgründen bestehenden Wunsch auf Entfestigung oder Öffnung der Werke. 2. Ein Territorium mittlerer Größe, das sich streng genommen auch eine Landes¬ festung nicht leisten kann, ist wirtschaftlich nicht in der Lage, Stadterweiterung und Festungsvergrößerung gleichzeitig vorzunehmen (Düsseldorf, Koblenz). 3. Die innen- und außenpolitischen Implikationen und Komplikationen führen zu einer Verschleierung der Entfestigung (Bonn, Koblenz). Förmliche Aufhebungen der Festung werden deshalb nur selten verfügt. 4. Seit Mitte des 18. Jh. akzeptieren die Landesherren offene Städte (allerdings blei¬ ben die Schlösser vor unbefugtem Zugang gesichert). Bauinteressenten für Stadt¬ erweiterungen fürchten ungenügende Sicherung nach außen und Abtrennung von der Altstadt durch Tore und Wälle. Die Funktion der Polizeimauer wird allgemein bis zur Mitte des 19. Jh. aufrechterhalten. 5. Die Möglichkeiten der Umnutzung werden in den untersuchten Beispielen nur in Teilbereichen wahrgenommen, weil das landesherrliche Interesse sich im wesent¬ lichen auf den Residenzschloßbereich konzentriert. 6. Unter nahezu gleichartigen geschichtlichen Voraussetzungen gelangt man in Bonn und Koblenz im Zusammenhang mit der Entfestigung zu unterschiedlichen plane¬ rischen Lösungen. Sowohl die Stadtplanung in Koblenz als auch die Landschafts¬ planung in Bonn geben jedoch der Stadtentwicklung der folgenden Jahrhunderte feste Leitlinien. Diskussion Norbert Conrads, Saarbrücken: Die Städte, die Entfestigungen Vornahmen, wie Koblenz, Bonn oder Berlin, waren auch Städte der Aufklärung in Deutschland. In¬ wieweit steht auch ein gewisses aufklärerisches Gedankengut auf seiten des Landes¬ fürsten dahinter, die Festung zu öffnen und andere Gesichtspunkte, die früher eine Rolle gespielt haben, hintanzustellen. Man könnte hier eine Reihe anderer Parallelen aufführen, etwa die Öffnung der fürstlichen Lustgärten für das Volk. Kann man die Sanierungsfragen im Zusammenhang mit Koblenz auch unter dem Aspekt der Aufklä¬ rung sehen? Busso von der Dollen, Bonn: Zweifellos war der Kölner Kurfürst Joseph Clemens kein Fürst der Aufklärung im angesprochenen Sinn, er war lediglich interessiert an seiner Landschaftsplanung, war ein großer Planer mit guten und nicht immer durch¬ führbaren Ideen. Clemens August, sein Nachfolger, hat diese Pläne im wesentlichen in die Tat umgesetzt — hier können wir von irgendeiner aufklärerischen Motivation nicht sprechen. Auch in Koblenz gibt es keine direkten Beweise dafür, obwohl der Trierer Erzbischof Clemens Wenzeslaus ein ausgesprochen aufgeklärter und guter 171