VI. Periodisierung. Der zeitliche Verlauf des Wüstwerdens Man darf sich das Wüstwerden, abgesehen von elementaren Natur- oder Kriegsereignissen, nicht als einen plötzlich einsetzenden und in kürzester Zeitspanne sich vollziehenden Vorgang vorstellen, sondern man muß den Wüstungsprozeß als einen langwierigen Verlauf in einzelnen Etappen be¬ trachten. Der genaue Zeitpunkt, wann ein Ort tatsächlich wüst geworden ist, läßt sich nur in den seltensten Fällen auf das Jahr bestimmen. Die Quellen berichten auch über den Verlauf meist so gut wie nichts. Allgemein wird davon gesprochen, daß ein Dorf vorzeiten183 noch vorhanden war, oder daß eine Siedlung bei Menschengedenken wüst geworden ist184. Im Jahre 1677 brennt Niederweiler ab. Doch Wüstungen entstehen selten wegen Kriegs- oder Naturkatastrophen. Vielfach wird der Endpunkt des Wüst¬ werdens erst bedeutend später aus irgendwelchen Belegen sichtbar, oder aber die Nachrichten schweigen sich völlig über den Abgang aus. Dann kann man nur nach der letzten Erwähnung der noch bestehenden Siedlung ungefähr berechnen, wann der Abgang anzusetzen ist. Bei Verleihungen oder Verkauf sind oftmals nicht mehr die Bewohner, sondern die Gemarkung angesprochen. Der Bann behält auch nach dem Abgang des Dorfes den alten Ortsnamen bei (vielfach mit der Bezeichnung Gut), so daß man bei vielen Rechtsgeschäften nicht feststellen kann, ob es sich um das Dorf oder nur noch um seine Gemarkung handelt. W. Janssen hat auf Grund von archäologischen Quellen folgende Wüstungs¬ perioden ermittelt: I. Ende 2. und 3. Jahrhundert nach Chr. (180 n. Chr. Pest) II. Ende 4., 5. und beginnendes 6. Jh. n. Chr. III. Ende 8., 9. und beginnendes 10. Jh. IV. 11./12. und beginnendes 13. Jh. V. Ende 13., 14. und 15. Jh.185. K. A. Seel wies für die Eifel auf das Fortdauern der Wüstungsbildung bis ins 19. Jahrhundert hin186. Während einerseits eine große Anzahl von neuen Siedlungen in der Ausbauzeit und in der Rodungs¬ zeit entsteht, werden zur gleichen Zeit Siedlungen verlassen. Die 183 Vgl. Z.B. StA Koblenz Abt. 38 Nr. 1062, Nr. 793 fol. 8 und Nr. 656, S. 194 ff. Nr. 365, S. 223 ff. — Tilem. Stella, fol. 235 f. 184 Tilem. Stella fol. 233. 185 W. Janssen, Mittelalterliche Dorfsiedlungen, S. 351. W. Abel, Geschichte der deutschen Landwirtschaft vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jh., Stuttgart 1967, 2. neubearb. Aufl., S. 12 f, S. 25, S. 67, S. 110 ff. 186 W. Janssen, Mittelalterliche Dorfsiedlungen, S. 351. 53