V. Die Wüstungen im Spiegel der Ortsnamen Wahrscheinlich keltischen Ursprungs sind die Namen der vier Wüstungen Bormerich, Budnich, Grenderich und Oppig (vgl. dazu die ON Gronig, Merzig, Nennig, Serrig, Bupprich, Krettnich, Mettnich)172. Zur gleichen Kate¬ gorie dürften die beiden aufgegangenen Ortsteile Ehrich (bzw. Ehrig, Irig/in Losheim aufgegangen) und Hermerich (Wadrill) zählen. Zur Gruppe der romanischen (bzw. römischen) Namen werden die Macher-Orte gerechnet. Dabei ist ihr Alter umstritten. H. Dittmaier betont, daß das Verbreitungs¬ gebiet erst frühestens mit der fränkischen Landnahme besiedelt worden ist173. Das lateinische Wort maceria bedeutet Mauer, Einfriedigung, Einfas¬ sungsmauer, aber später auch Mauerrest, Ruine 174. Im Weingebiet der Mo¬ sel und der unteren Saar kann „macher” auch die Weinbergsmauer (maceria = ein Weingart Mauer) bezeichnen175 176. Im Bereich südlich des Orscholzer Riegels muß jeweils geprüft werden, ob es sich um einen Flurnamen (Wein¬ garten-Mauer) oder aber um eine Stellenbezeichnung für eine ehemalige Siedlung handelt: „Unsere ON bezeichnen Ansiedelungen bei altem Gemäuer. Im Deutschen entsprechen diesen lateinischen Bezeichnungen die ON (!) Auf der Mauer, Hochmauern, Maurach170." Dabei wird zu berücksich¬ tigen sein, daß ein Wingert nicht fern vom Ortskern irgendwo auf der weiten Flur zu finden ist. Der Siedlungsname Macher zieht sich von Luxem¬ burg bis ins Eifel—Hunsrück—Gebiet durch das Saarland und Lothringen bis zur Westpfalz: Grevenmacher und Kleinmacher (Luxemburg), Altmacher (Lk. Bernkastel), Beimacher, Königsmacher, Rodemachern, Macher, Ma¬ chern, Macheren (alle 6 in Lothringen). Im Saarland sind Auersmacher (777), Lk. Saarbrücken, und Mechern (12. Jh.), Lk. Merzig, vielleicht auch Macher¬ bach, Lk. Ottweiler, zu nennen. Das Dorf Heisterberg (Lk. St. Wendel) wurde früher Auf der Mauer genannt. Bei Auersmacher lag Engersmacher. Wenn Macher bzw. Mauer einen Wüstungsnamen darstellt, so ist das Wüst- falien früh anzusetzen. Nach meiner Auffassung sind Macher, Mauer, Mecher als gallorömische Restsiedlungen in den Wirren der Völkerwanderung und in der Landnahmezeit anzusprechen. Bisher konnte die Frage nach dem Verbleib der ansässigen Bevölkerung nicht befriedigend geklärt werden. Da aber anzunehmen ist, daß auch in den schweren Kriegswirren (vgl. z. B. 172 M. Müller, ON Regbez. Trier I, S. 52 ff. — H. E n g e 1 s , Die Ortsnamen an Mosel, Sauer und Saar und ihre Bedeutung für eine Besiedlungsgeschichte, Trier 1961, S. 80 ff. 173 H. Dittmaier, Rheinische Flurnamen, Bonn 1963. — A. Bach, Deutsche Namenkunde, Heidelberg 1953—56 III Bde. 174 H. E n g e 1 s , Ortsnamen, S. 63. 175 M. Müller, ON Regbez. Trier I, S. 68. — Vgl. auch E. C h r i s t m a n n , in: Der Weinbau 3, 1949 Heft 5, S. 134. 176 Ebda. 49