I Eine bislang unbekannte Adelsfamilie des lothringischen Raumes l Unter den vielen, von verschiedenen Schreiberhänden vorgenommenen Eintra¬ gungen im Liber memorialis von Remiremont fallen die in einer steifen, unge¬ lenken Art und meist nur in Kapitalbuchstaben geschriebenen Einträge einer Hand, die etwa der Mitte des 10. Jahrhunderts angehört, besonders auf. Schon der erste Eindruck zeigt, daß der Schreiber kaum mehr als die Elementarkennt¬ nisse der Schreibkunst erworben hatte. Diese Einträge finden sich auf mehreren Seiten des Codex, ohne daß man dahinter ein System vermuten könnte; sie sind offenbar jeweils dort eingeschrieben worden, wo man das Buch gerade aufschlug oder wo es schon aufgeschlagen war und sich noch genügend Platz für eine Ein¬ schreibung fand: — so auf den Seiten 4v, 7v, 39r, 40r, 40v, 53r, 55v, 56r, 57r. Inhaltlich betrachtet ist das weithin Auffällige an diesen Niederschriften, daß sie fast ausnahmslos eine Gruppe von Namen wiederholen, an deren Kern sich das eine Mal mehrere, das andere Mal nicht so viele weitere Namen anschließen. Nur zwei Eintragungen — die von f. 7v und f. 4Qv — weichen hiervon ab, zeigen aber indes doch noch — wie sich am Schluß ergeben wird — eine gewisse Beziehung zu den anderen Gruppen. Zumal diese Schriftzüge — wie schon bemerkt — den typischen Charakter einer Anfängerhand tragen — es fehlt nicht nur die Interpunktion, sondern vor allem auch jedes Gefühl für eine Scheidung der einzelnen Worte und für eine klare Zeilenführung —, könnte man zunächst vermuten, daß die Eintragungen immer wieder derselben Namen Schreibübungen darstellen. Da jedoch innerhalb dieser verschiedenen Einträge die Reihenfolge der Namen variiert und die eine Gruppe mehr, die andere weniger Namen enthält, in der einen Gruppe zusätzliche Namen zur anderen auftauchen, ja in einer dritten und vierten Gruppe noch einige andere Namen zu dem deutlich erkennbaren Grundstock treten, wird man nicht ohne weiteres an Schreibübungen, zumindest aber nicht an ein mehr¬ maliges monotones Abschreiben, Üben, einer vorgegebenen Namengruppe den¬ ken können. Wir stellen im folgenden einmal diese Namengruppen zusammen; zugleich sei hier schon darauf hingewiesen, daß fotografische Abbildungen von einigen dieser Grup¬ peneinträge am Schluß des Buches beigegeben sind und der Illustration dienen mögen. 17