Vorwort Das hier vorgelegte Büchlein umfaßt einige genealogische Studien, die nur als Vorarbeit für ein tieferes Eindringen in die lothringische Geschichte des 10. und 11. Jahrhunderts gedacht sind. Nicht wenige Fragen und Probleme, die sich bei einer Betrachtung jener Zeitspanne ergeben, scheinen mir nämlich erst dann überzeugend beantwortet bzw. gelöst werden zu können, wenn man die adlige Führungsschicht dieses Raumes besser als bisher kennt, wenn man die verwandt¬ schaftlichen Verflechtungen der Adelsgesellschaft Lothringens und der angren¬ zenden Lande überblickt und manche moderne hypothetische Verwandtschafts¬ konstruktionen über den mittelalterlichen Adel Lothringens einer kritischen Überprüfung unterzogen hat. Besteht doch nicht einmal für die wenigen ma߬ geblichen Familien, die wir am Ende des 9. und am Beginn des 10. Jahrhunderts in ihrer politischen Aktivität fassen bzw. an Hand unserer Quellen beobachten können, hinreichende Klarheit betreffs ihrer Herkunft, ihrer Seitenverwandt¬ schaften wie auch ihrer Nachkommenschaft, — von der größeren Zahl der nicht zu auffälliger allgemeiner Bedeutung gelangten Adelsgruppen ganz zu schwei¬ gen! Hat man so z. B. zwar die sog. Reginarfamilie in den letzten Jahrzehnten von vielen Seiten her in ein deutlicheres Licht zu rücken vermocht und dabei ihre Vorfahren bis auf den Grafen Giselbert vom Maasgau, den Entführer einer Tochter Kaiser Lothars I., zurückverfolgen wie auch ihre Nachkommenschaft sogar über das ganze Mittelalter und die Neuzeit hinweg bis in unsere Tage hinein aufhellen können, so gelang dies indessen nicht mit jener Adelsfamilie, die wiederholt als die sog. Matfriedsippe bezeichnet worden ist und die zu An¬ fang des 10. Jahrhunderts die gewichtigsten Gegenspieler der Reginare, aber auch des Königtums und der Kirche in Lothringen gestellt hat. Unser sicheres Wissen um jene Leute endet bekanntlich schon bei der für das Jahr 944 über¬ lieferten Nachricht vom gewaltsamen Tode des Grafen Adalbert von Metz, eines Sohnes des Grafen Matfried. Andererseits vermag die historische Forschung vom 11. Jahrhundert an Geschlechterverbände zu erfassen, die — wie etwa das seit 1048 mit der lothringischen Herzogswürde bekleidete Geschlecht — für die Zukunft des Landes von der allergrößten Wichtigkeit werden sollten, über deren Vorfahren aber, die diesen Aufstieg erst grundgelegt haben, sich ein dich¬ ter Schleier hüllt. — Solange jedoch in den Fragen der familiären Beziehungen der wichtigsten Führungskräfte dieses Landes nicht klarer gesehen werden kann, wird eine Behandlung Lothringens im 10. und 11. Jahrhundert immer mit vielen Fragezeichen belastet bleiben. Denn: nicht Institutionen, sondern Menschen mit 7