107 6 Das Europäische Tal der Mosel 6.1 Einleitung Europäisches Tal der Mosel lautet der Name eines Tourismuskonzeptes, das 1993/94 im Auftrag der Regionalkommission Saar-Lor-Lux-Trier/Westpfalz vom Europäischen Tourismus Institut (ETI) an der Universität Trier erarbeitet wurde. Dabei wurde für das gesamte Tal der Mosel ein Konzept zur Steigerung der touristischen Attraktivität des Raumes vorgelegt, das insbesondere auf eine gemeinsame Marketingstrategie der nationalen Teilräume baut (ETI 1994). Dabei wurde das Motto WeinKultur- Landschaft zum übergeordneten Tourismusleitbild erhoben. Dieses trifft in besonderer Weise für den Bereich der Obermosel zwischen Thionville und Trier zu, der als eigentlicher europäischer Abschnitt des Mosellaufs zu werten ist. Die Abgrenzung des Untersuchungsgebietes erfolgte in Anlehnung an die von der Regionalkommission selbst erarbeitete RaumordnungsStudie Thionville-Trier, die sogenannte Moseltalstudie (REGIONALKOMMISSION 1995:4). Es umfaßt auf deutscher Seite die Gemeinden Mett¬ lach und Perl (beide Saarland), die Verbandsgemeinden Konz und Saarburg (beide Rheinland-Pfalz), die luxemburgischen Gemeinden der Kantone Remich und Grevenmacher (ohne Junglinster) sowie die Ge¬ meinde Mompach aus dem Kanton Echternach, ferner 51 französische Gemeinden69 70 (s. Abb. 24). 6.2 Räumlich-strukturelle Voraussetzungen Das Untersuchungsgebiet zählt ca. 95.000 Einwohner und hat eine Fläche von etwa 920 km2. Die Bevölkerungsdichte liegt mit knapp über 100 E/km2 deutlich im Bereich des ländlichen Raumes. Einzige Mittelzentren sind Saarburg und Konz (beide D), als Unter- bzw. Kleinzentren gelten Remich, Greven¬ macher (beide L), Perl und Mettlach (beide D). Auf französischer Seite haben lediglich die Orte Sierck- les-Bains und Hettange-Grande einen gewissen Zentralitätsüberschuß (REGIONALKOMMISSION 1995). Größere Konzentrationen des produzierenden Gewerbes finden sich in den zum Untersuchungsgebiet zählenden Umlandgemeinden von Thionville (z.B. Cattenom, Hettange-Grande) und Trier (z.B. Was¬ serliesch, Konz), am Mosellauf zwischen Sierck-les-Bains und Perl-Besch sowie in Mettlach und Saar¬ burg. Die übrigen deutschen und luxemburgischen Moselgemeinden weisen eine recht stabile sektorale Struktur auf, wobei der tertiäre Sektor bedingt durch die touristischen Aktivitäten eine große Rolle spielt. Demgegenüber sind die meisten der nordlothringischen Gemeinden als strukturschwach zu be¬ zeichnen (REGIONALKOMMISSION 1995). Verbindendes Element ist in diesem Grenzraum zweifelsohne die Mosel, die die Staatsgrenze zwi¬ schen dem luxemburgischen und dem deutschen Teil des Untersuchungsgebietes bildet. Die Eignung von Flüssen als politische Grenze ist von jeher umstritten. Einerseits stellen Flußläufe eine Barriere für den Landverkehr dar und haben somit trennende Wirkung, haben aber gleichzeitig in ihrer Funktion als Transportweg eine vereinende Wirkung. Diese wird verstärkt durch ihre Einzugsgebiete, die einen bei¬ derseits des Flusses homogenen Naturraum aufweisen und in Form von Becken hydrographisch¬ morphologische Einheiten bilden. Deshalb empfehlen bereits die Helsinki Rules70 aus dem Jahre 1967, statt der Bezeichnungen Grenzfluß oder internationaler Fluß den Terminus internationales Flußbecken bzw. bassin fluvial international oder international drainage basin zu verwenden. So wirkt auch der Lauf der Obermosel mit seinen natürlichen Grundlagen und der auf allen Seiten der Grenzen sehr ähnli¬ chen, durch den Weinbau bestimmten Kulturlandschaft stark identitätsstiftend. Dies wird begünstigt durch die Tatsache, daß das Moselfränkisch, das in Luxemburg neben Französisch offizielle Landes- 69 Die drei Gemeinden Grindorff, Flastroff und Waldweistroff gehörten nicht zu besagtem Untersuchungsgebiet der Regionalkommission. Da sie dem Canton-de-Sierck angehören, der im weiteren noch eine Rolle spielen wird, wurden sie hier ergänzt. 70 = Helsinki Rules on the Uses of the Waters of International Rivers, Report of the 52 Conference held at Helsinki, zit. in Kaluski (1988:196)