238 Zwölfter ßrief. S. den lOtcn Januar 1794. Die Franzosen verstehen zu rauben aber nicht ihren Raub zu benutzen. Von der unzählbaren Menge Hornvieh, welches sie aus dem Leiningischen, Sickingischen u. s. w. hierher gebracht haben, ist bereits ein großer Theil, gestorben, und der übrige wird bald nachfolgen. Es ist aber auch kein Wunder, da dieses Vieh nicht das geringste Futter erhält, sondern solches auf den kahlen Wiesen und dem Feld suchen soll, wohin es zur Weide getrieben wird. Nachts muß solches in Gärten und auf den Kirchhöfen in der Kälte unter freiem Himmel liegen. Man kann solches nicht ohne Erbarmen ansehen; und der unempfindlichste Mensch muß gerührt werden, wenn er das erbärmliche Gebrüll, das der Hunger diesen armen Geschöpfen ohne Unterlaß abdringt, anhöret. Dieses ist das einzige, was uns gegenwärtig beunruhiget. Unsre Garnison ist sehr schwach und besteht außer einigen Kanoniers blos in 3 Com¬ pagnien vom Regiment Knêàois. Dies sind meistens Deutsche, die ihrem Namen und ihrem vorigen Stand als Linientruppen wenig Ehre machen. Denn sie sind unhöflicher, unvergnüglicher und diebischer als die Nationalgarden, eine Bemerkung, die wir bei den alten Linienregimentern schon mehrmals, nie aber so auffallend zu machen Gelegenheit hatten. Nicht nur unser Eigenthum sondern auch das Eigenthum der Nation ist vor ihnen nicht sicher. Sie stehlen Wein und Brandewein von den Wagen, welche sie bewachen sollen. Vor einigen Tagen raubten sie gar einige Offizierszelte von einem Wagen und ließen sich Unterhosen davon machen, mit welchen sie öffentlich erschienen. General Lombard sucht sie zwar in Ordnung zu halten lind hat alle, die an diesem Zeltediebstahl Antheil halten, durch Arrest gestraft. Dafür wurde aber ein Complott gegen ihn