223 N. S. Nichts ist so schlimm, es ist für etwas gut, sagt ein altes Sprüchwort. Während ich bei doppelt verschlossener Thür- vorstehende äußerst unangenehme Beschreibung vollendete, hatten meine Freunde und Mitbürger einen tödlichen Schrecken, den ich mir ersparte. Auf einmal verbreitete sich das Gerücht: die Re¬ volutionsarmee nähert sich der Stadt auf der Saargemünder Straße. Nun dachte man sich die Guillotine dabei, glaubte, daß sie zurückberufen sei um noch mehrere Schlachtopfer zu würgen, und mancher Kopf wackelte. Bald aber klärte sich die Sache zum Vergnügen jedes Rechtschaffenen auf. Die Revolutions-Armee hatte besonders in der Nähe von Paris so viele Schandthaten und Räubereien, NB. auf eigne Rechnung, begangen, daß endlich Lärm darüber entstehen mußte und ihre bisherigen Beförderer und Beschützer sich ihrer nicht mehr stark genug annehmen konnten. Sie wurde also durch ein Decret des Nationalconvents cassirt, welches gestern Abend durch einen Courier nach Saargemünd über¬ bracht wurde, und die Truppen mußten auf der Stelle zu ihren respectiven Corps zurückkehren. Die armen Saargemünder Schlacht¬ opfer, die heute guillotinirt werden sollten, waren also gerettet. Die Citoyens lassen die Flügel mächtig hängen, besonders Richter und Chefs, welche ihre blutfarbenen Decorationen bereits abgelegt haben, und belegen den N. C. mit den ärgsten Ver¬ wünschungen, daß solcher, dies sind Worte, die ich aus dem Munde des Commandirenden Chefs, (nunmehr unterstund man sich ihnen unter die Augen zu kommen, da ihr Gift unschädlich war) selbst gehöret habe: ein so wohlthätiges Institut, dessen einziges Bemühen dahin ge¬ gangen sei die Armen glücklich zu machen und völlige Gleich¬ heit herzustellen, in seinem mit so vieler Energie begonnenen Arbeiten verhindert und aufgehoben habe. Auch dies stelle ich zu Ihren eignen Anmerkungen aus unb bin, wie allezeit, Ihr Freund.