87 Sechs und zwanzigster Brief. S. den 18. Scpt. 1793. Derjenige, welcher allen Glauben an die bonne foi der Fran¬ zosen verloren Hai und von ihnen nichts gutes erwartet, hat wenigstens den Vortheil, daß er sich die Ueberraschung erspart. Von den Preußen glauben unsre Republikaner nichts mehr zu befürchten zu haben. Im Vertrauen gesagt, unsre Hoffnung fängt auch an zu schwinden, da wir uns so wenig als die Fran¬ zosen das Stillestehen derselben in dieser zu Kriegsoperationen so vortheilhaften Jahreszeit erklären können, und also scheinet alles dasjenige, was sie neuerdings von Vertheidigungsanstalten machten, nur den Endzweck gehabt zu haben, um uns mit desto mehrerer Sicherheit und Bequemlichkeit plündern zu können. Und hierin haben sie bereits starke, für uns traurige Fortschritte gemacht. Die Ankunft dreier Repräsentanten des Volks und des Com- missäre-General Archier, wahrscheinlich eines Schülers des bekannten Foulon räuberischen Andenkens, gab dazu die Losung. Jene machten bei ihrer Ankunft ein Deeret des Nationalconvents bekannt, wonach alle, Militärstellen bekleidenden Ci-devautnobles entlassen und genöthigt sein sollten ihren Aufenthalt im Innern von Frank¬ reich, zwanzig Lieues von den Grenzen und eben so weit von allen republikanischen Armeen entfernt, zu wählen. Dieses wurde so¬ gleich in Execution gesetzt, und dies Schicksal traf unter einer Menge rechtschaffner Offiziere verschiedene Generale, unter andern den General von Schauenburg, und nebst sieben General-Adju¬ tanten, deren menschenfreundliche Gesinnungen wir und andere Deutsche zu erproben Gelegenheit hatten und deren Schicksal wir auftichtig bedauern, auch den anerkannt geschicktesten Artillerie¬ offizier unter allen Truppen der Republik. Man mißkennt die Absicht des Wohlfahrtsausschusses nicht, nämlich alle Nachtheile, welche die republikanischen Waffen bisher betroffen habe, der Ver- rätherei beizumessen. Denn kein Vorposten wird von den Deutschen weggenommen oder niedergemacht, ohne daß die französischen Tag¬ blätter solches der Verrätherei Schuld geben. Und wer könnten