67 Neunzehenter örief. S. den 12. Jul. 1793. Gewiß, mein Lieber, es bedurfte Ihrer Versicherungen nicht, um mich von dem warmen Antheil zu überzeugen, welchen Sie an unserm traurigen Schicksal nehmen. Es bedurfte Ihrer freund¬ schaftlichen Bitten nicht, um mich zu bewegen die Nachrichten von solchem fortzusetzen. Ich bedaure nur, daß jetzt, da ich die Feder ergreife, es noch Ungewißheit ist, wann Sie diesen Brief erhalten werden, doch mags sein! Einst in glücklicheren Zeiten mag er meine Bereitwilligkeit Ihre Wünsche zu erfüllen bestätigen, bis dahin aber in hundert Stückchen Zerschnitten an verborgenen Orten ruhen. Diese Vorsicht ist uns jetzt zur Nothwendigkeit geworden, da das französische Mißtrauen sich verschiedentlich geäußert hat und vor ihnen nichts sicher ist. Mehrere hiesige Fürstliche Bediente sind in ihren Häusern von starken Detachements Gensd'armes überfallen und ihre sämt¬ lichen Papiere durchsucht worden, ob man nicht eine auswärtige Correspondenz, besonders mit dem Fürsten darinnen entdecken möchte. Glücklicherweise ist nichts entdecket worden. Sogleich wurden aber von jedermann auch die gleichgültigsten Briefe den Flammen geopfert. Denn konnte es uns nicht auch wie dem armen Pfarrer Rebenack ergehen? Die Armee steht seit ihrem letzten Rück¬ zug mit republikanischer Contenance in dem Lager bei Forbach, auf den Anhöhen bei Saarbrücken, und eine starke Garnison in den Städten. Schon mehrmals verbreitete sich das Gerücht, daß solche aufbrechen imb dem belagerten Mainz zum Entsatz eilen würde. Allein es wurde bald wieder stille. Unterdessen aber zeigen die Soldaten ihre Energie im Stehlen. Alle unsere Gärten sind rein ausgeleert. Die meisten Besitzer derselben haben das unreife Obst abschlagen lassen um die Bäume zu erhalten, welche die Franzosen der Kürze wegen abhieben und mit dem Obst weg¬ schleppten. Unter den Dieben zeichnet sich das einst so respectable Corps der Artilleristen ganz besonders aus. Diese scheint die Republik als ihre stärkste wo nicht einzige Stütze anzusehen, des- 5*