35 Elster fines. S. den 14. April 1793. Ich bin überzeugt, daß Ihr Groll über mein Stillschweigen verschwinden wird, wenn ich ihnen die Ursache davon gemeldet habe. Während unsere deutschen Brüder gegen die Republikaner am Rhein fochten, kämpfte auch ich einen nicht minder gefährlichen Kampf, nicht auf dem Schlachtfelde, aber auf meinem Bette, mit Freund Hain in der Gestalt eitler Lungenentzündilng. Ich habe aber redlich gesiegt, ohne nöthig zu haben mich gleich Lessings Kranken in Traktaten mit ihm einzulassen, vielleicht auch, daß das Ver¬ sprechen in die Zunft seiner privilegirten Lieferanten zu treten wenig bei ihm gefruchtet haben würde, da so viele Tausende sich des edlen Handwerks Menschen ztl todten befleißigen und seine Gestlde Ueberfluß an neuen Ankömmlingen haben müßten. Bei ineiner Zögerung im Schreiben sollen Sie aber, meill Bester, nichts verlieren, indem ich alle Vorfälle mit der bisherigetl Genauigkeit nachholen werde. Ein Glück für einen Reconvales- centen, daß ich Ihnen jetzt nur lustige Auftritte zu melden habe. Auf den zweiten Ostertag, als eben die christliche Gemeinde im Kirchenrückzug begriffen war, gab es plötzlich einen abscheulichetl Lärm. Marketellder und Marketenderinnen stürzten heulend zum Thor herein, ihnen folgten Commissairs, Feldscherer zu Fuß und zu Pferd, lmb hintennach schwere Reiter von Roussillon, Chasseurs à cheval und grüne Dragoner in buntem Gemisch. Der hatte einen Hieb über die Ohren, dem fehlte die Nase, der ließ den verwundeten Arm hängen, alle machten klägliche Gesichter, alle noch kläglichere Erzählungen. Der Feind hatte sie in Homburg mit unzähliger Menge überfallen, sie wurden alles Widerstandes ohngeachtet geschlagen, et tont était peà! Dieser Auftritt machte eine mächtige Sensation unter unserer Garnison. Die Reuter sattelten, die Commissairs packten ein, alles, was in St. Johann lag, war im Begriff sich über die Saar zu retiriren, da man alle 3*