— 12 — Dieser festen, wahrhaft königlichen und frommes Sprache unseres Monarchen gegenüber dürfte es air Platze sein, die hoch- und übermüthige und eitle Pro- clamation zu lesen, welche Kaiser Napoleon unter der« 22. Juli au das französische Volk gerichtet hat. Sil lautet in der Uebersetznng vollständig: „Franzosen, es gibt im Völkerleben feierliche Augen blicke, wo die Nationalehre, heftig erregt, sich als ein-! unwiderstehliche Macht aufdringt, alle Interessen bc herrscht und die Leitung der Geschicke des Vaterlandes ganz allein in die Hand nimmt. Eine dieser entschci dendcn Stunden hat jetzt für Frankreich geschlagen. „Preußen, dem wir wahrend des Krieges von 1861 und auch seitdem bis jetzt die versöhnlichste Stimmung bezeugt haben, hat unserem guten Willen und unseren Langmut!) keine Rechnung getragen. Auf die Bahn der Eroberung geworfen, hat cs alles Mißtrauen geweckt, überall zu übertriebenen Rüstungen genöthigt und aus Europa ein Feldlager gemacht, in welchem Unsicherheit und Furcht um den nächsten Tag herrschen. „Ein Zwischenfall hat jüngst die Bestandlosigkei! der internationalen Beziehungen enthüllt und die ganze Schwere der Lage dargethan. Den neuen Forderungen Preußens gegenüber haben unsere Ansprüche sich Der* nehmen lassen. Man ist ihnen ausgewichcn und Hai sich darauf geringschätzig benommen. Unser Land hat darüber eine tiefe Erregung empfunden und alsball, hallte ein Kriegsschrei von einem Ende Frankreichs jimr andern. Es bleibt uns nichts mehr übrig, als unse« Geschicke dem Loose der Waffen anzuvertrauen. „Wir führen den Krieg nicht mit Deutschland, dessen Unabhängigkeit wir achten. Wir hegen den Wunsch, daß die Völker, welche die große germanische Nationalität bilden, frei über ihre Geschicke verfügen. Wir unsererseits verlangen die Herstellung eines Zu-