r >>. zubieten und im Kriege anzuführen; er erhob auch die königlichen Einkünfte und hatte oft die Aufsicht über die Königsgüter seines Bezirks; ſeine Einnahmen bestanden in einem Drittel der Bußen und Friedensgelder, wozu noch ein beſonderes Lehngut kam. Der Graf wurde von dem Könige eingesetzt; es war natürlich, daß um dies einflußreiche Amt die Vornehmen des Landes sich bewarben, und das Anſehen des Grafen bei den Gerichtseingeseſſenen konnte nur gewinnen, wenn er in ſeiner Grafſchaft ſelbſt begütert war. Schon im Jahre 614 bestimmte König Chlothar II., daß die Grafen nicht aus einem fremden Gau genommen werden ſollten. So wurde es die Regel, daß das Grafenamt aus den vor- nehmſten und reichſten Familien des Gaues beſetzt wurde. Wir finden ſchon früh, daß der Sohn dem Vater in der - Verwaltung der Grafſschaſt folgte, wenngleich dazu die Bestätigung des Königs eingeholt werden mußte, bis im 11. Jahrhundert die Erblichkeit rechtlich anerkannt wurde. Damit iſt der Anfang einer Territorialherrſchaft gegeben ; die Bewohner der Grafschaft ſahen in dem erblichen Ge- richtsherrn, der über den größten Grundbesitz verfügte und die Königsgüter beaufsichtigte, weniger einen Be- . anmlten des fernen Königs als einen einheimiſchen Fürſten, auf den das königliche Recht übergegangen war. Dies mußte um so mehr der Fall sein, als die Gaugrafen nicht mehr durch die königlichen Sendgrafen, die missi dominici, beaufsichtigt wurden und ſchließlich die Gauverfaſſung durch die Schwäche der Zentralgewalt und die Ausdehnung der Immunitäten, d. h. der Befreiung einzelner Gebiete von der Gewalt des Grafen, in Verfall geriet. Beſonders in Lothringen erwarben die Grafen früh eine gewiſse Selbständigkeit. Schon im 10. Jahrhundert nannten ſich einzelne Grafen von „Gottes Gnaden‘); zu dem Namen des Gaues wurde jett der Name des Grafen geſettz; ſo wird der Bliesgau (Pagus Blesinsis) im Jahre 893 zuſägtzlich als die Grafschaft Odakers (comitatus Odacri comitis) und RLYIII