Im Frührot der Saarbefreiung vom napoleonishen Joh zu nebenstehendem Faksimiledruck. Von A. Z. Napoleons Heere fluteten nach der Schlacht bei Leipzig durc< Deutschland zUrück. Zu Tode erschöpft, schleppten sich die Soldaten hier über die alte Brücke, die sie no; wenige Monate vorher in stolzem Siegergefühl passiert hatten. Hunderte blieben, am Typhus erkrankt, in den Saarbrücker Lazaretten und starben in Massen. Der Imperator selbst erschien am 17. Dezember 1812. Blücher folgte ihm mit dem festen Entschlusse, dem Korsen keine Ruhe zu lassen und auf Paris vorzustoßen. Er verlegte zunächst sein Hauptquartier zurück nach Frankfurt, um bei dem Gegner den Glauben zu erwecken, es würden Winter- quartiere bezogen. Dann aber brach er unvermutet auf und überschritt schon in der Neujahrsnacht bei Kaub den Rhein. Bevor sich seine Truppenmassen in Bewegung seßten, erließ er am 30. De- zember an die Schlesische Armee einen Aufruf, der noh heute für uns Rhein- länder von vaterländischer Bedeutung ist. Die einfachen Soldaten aus dem Norden und Osten unseres Vaterlandes waren damals nicht, wie etwa heute, unterrichtet und hielten wohl gar das von den Franzosen durc den Frieden von Campo Formio annektierte linke Rheinufer für Feindesland. Der Marschall Vorwärts belehrte sie in seiner herzerfrischenden, soldatischen Art: „Die Be- wohner des linken Rheinufers sind nicht feindlich gegen uns gesinnt,“ sie sind also Deutsche, denen „ih Schuß und Sicherheit versprochen habe, ich that's in Euerem Namen. Jhr müßt es halten.“ Und so geschah es. Der Heeresbefehl Blüchers vom 30. Dezember 1812 ist in einem heute wertvollen Original er- halten im Besitze des Herrn Albert Stahl-Saarbrücken, der es sorgfältig unter Glas und Rahmen vor Beschädigung bewahrt. Herr Stahl stellte liebens- würdig das uns alle fesselnde Blatt dem S.-K. zur Verfügung. Blüchers Truppen rückten über den Hunsrück an die Nahe und sodann über Lauterecken und Kusel nach St. Wendel. Am 11. Januar traf der Feld- marshall in Saarbrücken ein. Einzelheiten hierüber sind wieDethott in den bis- her erschienenen Jahrgängen des S.-K. behandelt worden. Erst die Schlacht bei Waterloo machte dem heroischen Ringen ein Ende. Der zweite Pariser Frieden gab das Saargebiet dem Vaterlande zurück. Aus Knechtschaft und den Banden der Fremdherrschaft nah harten, quälen- den 23 Jahren befreit, jubelte das Land und dankte der göttlichen Fügung. Nicht anders wird es sein, wenn am 10. Januar 1935 die Sonne deutscher Frei- heit auch für uns wieder emporsteigt, wie, niht anders wie damals, als am 1. Dezember 1815 das „Saarbrücker Jntelligenzblatt“ (Saarbrücker Zeitung) u. a. schrieb: „Den festlichsten und glücklichsten Tag ihres Lebens feierten gestern die treuen und deutschgesinnten Bewohner der Mittelsaar, die Bürger von Saarbrücken und St. Johann, die Einwohner aller vormalig nassauischen Ort- schaften, die so treu und rein den Vaterlandssinn bewahrt hatten.:Es war vieses der Tag nachdem sim unsere Herzen solangegesehnt,unddernichtalleineine Erlösungsstunde sein sollte, sondern au< eine Stunde der Auferstehung zu einem neuen Leben und 'zu neuem Glücke“.... „Im schönen Heiligtume des Tempels, den böse Gewalt uns nicht entreißen konnte, erfüllte Entzücken unsere Brust, daß wir diesen Tag feiern, dem Herrn dafür danken konnten. Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir frvohlich“ Wie konnte einst das erniedrigte, ausgesogene Preußen-Deutschland so Großes vollbringen? Das deutsche Volk, durc gegenseitigen Neid der Dynastien zerrissen und uneinig, nach schweren Jahren des Unglücks, politisch und wirt- schaftlich niedergebrochen, war endlich einig geworden in dem alle beherrschen- den Gedanken, der Qual ein Ende zu machen und die Freiheit wiederzu- 7Q