„Rückſchauend auf 'die zahlreichen und gehaltvollen Schriften“, ſo faßt H. Bleymehl ſein Urteil zuſammen, „darf man wohl mit Recht behaupten, daß Wiebelskir<hen ſtolz ſein kann, eine ſolche Perſönlichkeit in ſeinen Mauern beherbergt zu haben. Als Geiſtlicher war Puſtkuchen ein >ewiſſenhafter und beliebter Kanzelredner, der großen Einfluß auf ſeine Gemeinde ausübte. Be- ſonders lag ihm die ſorgfältige Erteilung des Religionsunterrichtes bei der Jugend am Herzen. Er war ein Freund und Förderer wahrer und worktötiger ottesfur<ht, aber ein Feind untätiger Frömmigkeit. Eine Perſönlichkeit alſo, die wert iſt, der Bergeſſenheit entriſſen zu werden und das wäre neben der Pflege ſeiner Grabſtätte auf dem alten Friedhof das ſchönſte Andenken, das Wiebelskir<hen ihm bewahren könnte.“ Alt- St. Wendel. Von R. Rudolf Rehänek. Es gibt Stunden, in denen ſich dex Menſch aus dem Häuſergewirr und den Dunſt- ſ<waden ider Induſtrie- und Großſtadt fortſehnt nach einem ſtillen Winkel, um Erholung zu finden. Unſere modernen Bäder und Kurorte aber bieten tro der gewöhnlich herr- lichen Umgebung manchmal alles andere, denn Entſpannung. Ein Feſt jagt hier das andere und beim Jazzordyeſter flieht dann der Erholungsſuchende wieder zurück in ſein Heim -- in die Großſtadt . . . Kleinſtadtzauber! -- Wer hat ihn noch nicht gekoſtet und kennt nicht das Gefühl, das von zahlloſen luſtigen Kobolden auf den aufmerkſamen Beobachter aus- geſtrahlt wird? . . St. Wendel! Wie oft zog es mich in deine winkeligen Gäßchen, in den Schatten deiner alten Häushen und zu deinem ehrwürdigen Wahrzeichen, dem St, Wendelinus- dom! -- = - Still liegt das Städt<hen und auf den Dächern der vielfach bunt ineinander geſcha<h- telten Häuschen laſſen die Sonnenſtrahlen die blanken Schiefer oder die braunroten Ziegel bell aufleuchten. Ab und zu ſtockt der Schritt, der in den holperigen Seitengäßhen merkwürdig wider- hallt. Der Blick haftet auf altertümlichen Bauten, deren Geſtaltung dem Kenner Bilder aus längſtvergangenen 'Tagen hervorzaubern - aus Zeiten, da wettergebräunte Fuhr- knechte und trußige Söldnergeſtalten hier feuchtfröhlicke Einkehr hielten. Da tauchen ſie wieder auf, die alten Schenken und Gaſtſtuben: „Zur 'Sonne“, „Zum Bären“, „Zur Krone“, „Im weißen Roß“ uſw. und geben uns Kunde von dem ſtarken Fremdenverkehr in alter Zeit -- aber auch vom ebenſo trink- wie ehrenfeſten Bürgertum, wie uns die Chronika berichtet: „3m Zechen und Verzehren gingen freilich die hohahtbaren Väter der Stadt mit einem guten Beiſpiel voran, indem ſie bei jeder Gelegenheit von Amtswegen ganz gehörig pokulierten, um ſich von den gehabten Anſtrengungen zu erholen und für die. Sorgen um das Wohl der Stadt zu entſchädigen, was natürlich ſtets auf Koſten des gemeinen Säckels geſchah. In den Gemeinde- und Gerichtsrehnungen jener Zeit betreffen faſt die Mehrzahl aller Ausgaben (!) dergleichen Kneipereien. Da heißt es: „Item, als dies oder jenes geſchehen, iſt aufgegangen -- iſt aufs Rathaus geholt -- iſt verzehrt worden -- ſoviel Gulden und alb. uſw.“ -- Im Jahre 1598 beteiligte ſi< die „gemeine Bürgerſchaft“ anläßlich der Verſteigerung der Grasſchar an einem Gelage, wobei der ganze Erlös in „Hanß baſtgens Hauß von 44 Perſonen in 48 St. Wendeler Maßen, 110 Liter Wein“ umgeſeßt wurde, -- Beſonders begoſſen aber wurden die mannigfachen Feſtlichkeiten der Zünfte. Bei der Aufnahme eines Gerbers im Jahre 1767 wurden von 27 Mann ins- geſamt 63 Quart Wein „hinter die Binde“ gegoſſen. Daß aber. die wohlachtbaren Frauen bei dieſen Freudenfeſten der Männer nicht leer ausgingen, beweiſt folgendes: ,. . . Es werden 21 Gulden 9 Alb. in Anſatz gebracht, welche Herr Johannes Wilhelm Dhame, ſeine Liebſte, die fraw ſcholtheßen (Frau des Schultheiß), die Herren Chefen und ihre weiber, mit verwilligung des Herrn Scholtheßen“ an einem Faſtnachtstage verzehrt haben . . . Von der alten Stadtbefeſtigung der „Wehrhaften Stadt“ iſt nur. noh weniges erhalten geblieben, doch klingen heute noch die alten Namen der Warttürme: „Giegels- - “I