- Genugtuung. Die Saargruben hatten vor dem Krieg einen reichen Pferdebeſtand. Da die Tiere infolge ihrer ſchweren Arbeit ſtavk verbraucht wurden, mußte jedes Jahr Erſaß geſchaffen werden. Um einen Ueberblick zu haben, von welchem Jahrgang die einzelnen Pferde waren, erhielten die Tiere von einem Jahrgang alle einen Namen, deſſen Anfangs- buchſtaben der gleiche war. In einem Jahre war der Buchſtabe K an der Reihe. Der Tierarzt und ider Oekonomieverwalter gaben den neuen Pferden die Namen: „Kaſtor“, „Krebs“, „Kater“, „Kät<hen“. Dabei hatte man u. a. geſchmacklos auch eine geiſtliche Titelbezeihnung gewählt, die in den Blättern des Herrn Dasbach ſcharf Kritiſiert und dafür Genugtuung verlangt wurde. Geheimrat, Hilger, der damalige Vorſizende der Berg- werksdirektion, der an ſich der Angelegenheit ganz fernſtand, leiſtete ſie in ſeiner origi- nellen Art ſofort. Er ſchrieb an die Heiniger Grvubenverwaltung kurz und bündig: „Das erſte Pferd, das auf Grube Heinitz eingeſtellt wird, erhält den Namen „Geheimrat“. „Wat leit mi am Jean! Fräulein K. M. ſchreibt: „Es war in der Zeit, als die Reichs- mark ins Unendliche bergab ſchlimmerte und der ſtabile Franken Herr und Gebieter im Saargebiet war. Die Markempfänger wußten nicht mehr, wie ſie ihren Hunger ſtillen ſollten und die anderen drückte die Sorge, was mit dem vielen Geld anzufangen ſei und wie man es rollen laſſen könnte. In jenen Tagen war ich Angeſtellte in einer Piano- handlung. Eine einfache, ältere Frau aus idem Sulzbachtal erſeheint „J49 mödt e Klavier kaafe!“ J< ſpielte auf verſchiedenen Inſtrumenten vor, machte aber ſichtlich mit meiner Kunſt wenig Eindruck. Ih rühme pflichtgemäß die Fabrikate: „Darauf klingt alles ſchön vom gefälligen Straußwalzer bis zu den Sonaten vom großen Beethoven.“ „A<4, wat ſeit miamJean,awwerkanmanaa<hdrufſpiele „Du, du liegſt mir am Herze?“ „Ei, gewiß, warum denn nicht?“ „Dat is mei Lieblingslied, ſo'n Inſtru- ment will ich han. Was koſchts? Im Umſehen ſind wir einig. So ſchnell und ſchmerzlos iſt wohl noc< nie im Saargebet ein Klavier verkauft worden. Und ſchon aus dieſem Grunde muß 'die Sache in den „Saarkalender“. Do geſcheppt! Zu preußiſcher Zeit war es Bergmannsbrauch, daß bei der Befahrung eines Kohlenſtoßes durch den Steiger oder einen andern Beamten der Betrieb während dieſer Zeit ruhte. Es wurden in den wenigen Minuten betriebliche Beſprechungen mit dem Partiemann abgehalten, auch private Sorgen, welche die Bergleute dieſer Kameradſchaft hatten, entgegengenommen und, wie ich verſichern davf, meiſtens auch abgeſtellt. Die jetzigen Verhältniſſe bei dem franzöſiſchen Grubenbeſitzer laſſen dies niht mehr zu. Die Kohlenvrutſche oder das laufende Förderband läuft ununterbrochen während der ganz2 Schicht. Der Lärm und die lauten Rufe der Antreiber, meiſt Saarbundfahrhauer, ver- bittern die Knappen. Sie haben auch den „Käs Lui“, einen kernigen derben Bergmann von Grube V., längſt um ſeine gute Laune gebracht. Eines Tages erſcheint der franzöſiſche Leiter der Grube, Ingenieur P. Er gibt das Zeichen zum Stillſtand der Rutſchen und Schrämmaſcjinen, da er wieder am Gedinge abbrechen will. „Do geſcheppt!“ ſagt Lu1. „Sie doh ſollen drehen zu!“ fährt P. den Mann an. „Nicks do, geſcheppt, do kinnt jeder kumme, allee hopp geſcheppt!“ „IH bin der Dwiſionär!“ „Das hätt'ſchte gleich ſa'n ſolle, ich kann nit jede Aff" kenne und vor em die Rutſch ſtehn lonn. Mir han 200 Wään voll.“ Referenzen zentnerweiſe. Aus Simmern laſſen ſich ſaarländiſche Blätter ein kleines BeſchichtHen, das in einem abgelegenen Hunsrückdorf paſſiert iſt, erzählen. Zu einem jungen Paare, das einen Kolonialwarenladen aufmacht, kommt ein Reiſender, um Auf- träge einzuheimſen. Und der Kolonialwarenhändler beſtellt, beſtellt, zentner- und hun- derterweiſe, was in einem Avloniahwarengeſchäft im Dorf benötigt wird. Das anfänglich ſtrahlende Geſicht des Reiſenden wird ob ſolcher Auftragserteilung doch etwas bedenklich. Als die Beſtellung nicht aufhören will, wirft er ſo zwiſchendurch die Frage hin: „Wie ſteht5 denn mit Referenzen ?“. Nach einiger Ueberlegung erwidert der „Jungkaufmann“: „Oh, ma könnt ſe jo brauche, dann ſchicken Se en halwe Zentner dovon met.“ Der vermißte Eisbeutel. Ein ehemaliger Beamter der Burbacher Hütte ſchreibt: „Es war zu der Zeit, als Weisdorf Generaldirektor der Hütte war. In jenen Jahren gab es in den oberen Regionen eine - Anzahl älterer und jüngerer Damen, die die hohen Gehälter der Gatten und Bäter ſchlechthin nicht verdauen konnten oder auh nur wollten. Sie zeigten ſich dem ſchlichten Menſchengeſ<le<ht gegenüber unnahbar. Die rechte Ant- wort auf ſolch thörichtes Benehmen haben ſie aber bisweilen einſtecken müſſen. I< erlebte nachſtehende Szene. Eine der gekennzeichneten Damen ſteigt in Burbach in die Straßenbahn. Als ſie in das Jnnere des überfüllten Wagens will, ſteht ein Arbeiter ſofort auf und bietet ihr mit höflihen Worten ſeinen Platz an. Hochmütig, von oben herab: „Danke, liebe keine gewärmten Sitze!“ Der ſc<hlagfertige, einfache Mann lächelnd: „Tja, Madame, Ihretwegen kann ich mir awwer wirklich keinen Eisbeutel in de Unner- bux eninſtecken!“ Sdallendes Gelächter über dieſe ſc<neidige Abfertigung ließ die Dame ſchon an der nächſten Halteſtelle verſchwinden.“