des Müllers Babette begegnete. „Ei guten Morgen Badbett<hen,“ grüßt der Wißlerbauer, „wo kommſt denn ſchon her in aller Früh, ſchon von Dirmelingen? Was haſt denn dort geſchafft?“ „Seßkartoffeln war ich kaufen, wir müſſen dies Jahr neue haben. Aber ſagt Wißler, wo fahrt ihr denn hin?“ „Ei, mir fahre auch Setzkartoffeln holen nach Dirmelingen.“ „So?, gut Geſchäft, ih muß mich eilen, hab viel Arbeit daheim,“ ſagt's BabettHhen und geht weiter. Und auch der, Wißlerbauer fährt weiter gen Dirmelingen zu, hält am Pfarrhaus, zieht den bronzenen Klingelzug, daß grell das helle Gebimmel durchs ſtille Haus gellt. Freundlich öffnet der Herr Paſtor die Tür und fragt nach Begehr und Wünſchen. „Er hätte gehört, ſagte der Wißler, daß hier ein Fronleichnamsaltar ZU ver- kaufen ſtünde.“ Er fragt nag Preis und Ausſehen. Bald war man einig, der Altar wurde aufgeladen, und heim gings nach Wuſtenbach. Das Babetthen aber ſpannt die zwei weißgeſchekten Kühe ein, tut Geld in den Beutel und fährt nach Dirmelingen, den Altarkauf dur< Zahlung und Abnahme rects- kräftig zu machen. Auf halbem Wege von Dirmelingen kommend, begegnete ihr der Wißlerbauer. Was hat der nur geladen, denkt ſie ſchon von weitem, ich glaub faſt =- =- es kann aber auch eine Truhe ſein, beruhigt ſie ſich wieder. Je näher ſie einander kommen, der Wißlerbauer und ſie, wird's ihr immer mehr zur Gewißheit, daß er den Altar ſchon geladen hat. Und mie ſie auf gleicher Höhe miteinander ſind, bricht's Un- wetter los über den ahnungsloſen Wißlerbauer. „Du alter Gauner, du fährſt fort und holſt den Altar, den ich ſchon zwei Stunden vor dir gekauft hab". Und zu mir ſagt er, er geht Setßzkartoffeln kaufen, du Tubiak. Schöne Setkartoffeln, der Fronleichnams- altar!“ =-- - -- Endlich kam au<h der Wißlerbauer zu Wort und konnte ihr klar machen, daß ſie doh zuerſt geſc<hwindelt hätt'. Sie wär' do< Setkartoffeln kaufen geweſt, hätt" ſie ihm geſagt. Oder hätt' ſie vielleicht etwas vom Fronleichnamsaltar geſ<wäßt? -- -- - Die beiden wurden ſchließlich wieder einig, geheim blieb der Reinfall aber doh nicht, und nod) heute kann man überall im Tal die Geſchichte von Babett<hen und dem Fron- leihnamsaltar hören. Dor -Weihna<ht in Altſaarbrücken. Weihnacht in Alt-Saarbrücken reichte lange! Nämlich vom 5. Dezember, dem „Nikeloſe-Tag“, bis zum 26. Dezember; einen dritten Feiertag kannten wir dort nicht, „den hat, Gott ſei Dank, der Alte Fritz abgeſchafft“, ſagte immer mein Vater; aber: 25 war auch genug des Feierns in den drei Wochen der längſten Winternächte! = Die Mannsleute waren da ihres Lebens nicht ſicher, ſo viel wurde da geſcheuert, geſhrubbt, vor allem aber: gebacken; überall waren ſie im Wege. Die guten Saarbrücker Haus- frauen, die vor lauter Arbeit nie bis zu den Problemen der „Frauenbewegung“ vor- gedrungen waren, -=- hier übten ſie ſie ſelbſt „intuitiv“ aus mit Beſen, Shrubbern und ähnlichen Mordswaffen; ſie ſhoben die unglücklichen Männer, die ihrer Sheuerwut im Wege ſtanden, energiſch ab: Furt, die Mannsleit kann m'r jetzt nit brauche! und das Seifenwaſſer platſ<hte nur ſo über die Böden, und die ſchneeweißen Vorhänge ſc<haukelten im „Durchzug“ und freuten ſi< und lachten, gerade als gäbe es keinen Saarbrücker Ruß, der ſie in drei, höchſtens vier Monaten wieder ſchwarz färbte. Nein, zu Weihnachten war alles eitel Freude, ſtrahlende Sauberkeit, „friſch Gewäſche“. Es gab zwär in unſerem äußerſten Südweſtzipfel des lieben Vaterlandes wunderſelten einen rechten, gediegenen Schneefall, und auh die alte brave Saar tat uns ſelten den Gefallen, regel- recht zuzugefrieren während der Weihnachtsferien; ſo war meiſt ein grauenhafter „Batſc<“ auf den Straßen. Aber was ſchadete das? Fröhliche Weihnacht überall! Da zog der halbe Landkreis Trier durch die Bahnhofſtraße, die belebteſte Geſchäfts- ſtraße, da kamen die Bauern aus dem geſegneten Köllertal, die mit den verdächtigen dicken „Krumbirn“ (Grundbirne, Kartoffeln), da kamen ſie von Spichern herunter und all den anderen umherliegenden lothringiſchen (jezt franzöſiſchen!!!) Ortſchaften die Milch- und Käsweiber mit ihren erdbeſchwerten Stiefeln (größte Damennummer!) ihren ſc<wer- fälligen Gang, den ſie ſic nun mal angewöhnt hatten dur<h das landesübliche „Auf- dem-Kopf-Tragen“ der ſchwerſten Körbe und Bütten, ihrem uns „rechte Saarbrücker“ jo lächerlich anmutenden Dialekt =- „Huß“ ſtatt „Haus“, „enuß“ ſtatt „hinaus“, na, und 2