Der Sronleichnamsaltar. Nach einer wahren Begebenheit erzählt von G. Klein. Wuſtenbach war erſt vor kurzem dur<h biſchöfliches Dekret von der großen Pfarrei Allingen abgetrennt und unter gleichzeitiger Beſtellung eines Vikars zu einer eigenen, ſelbſtändigen Pfarrei erhoben worden. Dies geſchah einige Wochen vor Oſtern; die Bläubigen der neuen Pfarrei hatten daher viel Mühe, zum Oſterfeſt den bisherigen Bet- ſaal auszuſ<mücen, damit das hohe Feſt auc< würdig gefeiert werden konnte. Hell und klar rief bald ein neu angeſchafftes Glöcklein die Gläubigen zu frommem Gebet und innerer Einkehr. Die Gemeinde ſorgte ſich, der Kirhe und des unbeſoldeten Vikars Nöte nach beſten Kräften zu meiſtern. Jeden Monat konnte von den eingeſammelten Geldern irgend etwas Neues für das Kleine Gotteshaus angeſchafft werden. Es war auc< notwendig, denn die hohen kirchlichen Feſte folgten einander in kurzem Abſtand. Kaum waren die frohen Choräle des „Chriſt iſt erſtanden“ verklungen, als man auch ſ<on für Himmelfahrt und Pfingſten rüſten mußte. Edle Begeiſterung ließ die Gläubigen wetteifern in Stiftungen und Geſchenken. Selbſt jeder arme Bergmann, der mit ſich und den Seinen genug zu tun hatte und ſehr ſparen mußte, warf des Sonntags ſein Scherflein in 'den Klingelbeutel. Nur durc ſolche Opferfreudigkeit konnten Kirche, Pfarre und Vikar beſtehen. Der Seelſorger fühlte ſich wiederholt verpflichtet, in warmen Worten all denen zu danken, die ſo viel Gutes unter perſönlichen Opfern getan hatten. Die Zeit enteilte, und immer näher rückte das ſchönſte Feſt der Gemeinde, das Fronleichnamsfeſt. Hier konnte doh jeder in aller Oeffentlichkeit zeigen, was Kirche und Pfarre ihm zu danken, wie viel er für das Schmücken ſeines Hauſes hatte auswerfen können. So ſetzte auch hier edler Eifer ein. Die Reichſten im Dorf waren der Müller Huſſong, deſſen Ehefrau Babette eigentlich das Haupt des Geſchäftes war, und der Großbauer: Wißler. Von beiden erwartete man zum Fronleichnamsfeſt etwas ganz beſonderes. Man war noh um einen Traghimmel verlegen; es fehlten aber auc< noh einige Straßenaltäre, auf denen das Allerheiligſte ruhen konnte, und von denen aus den Gläubigen und dem ganzen Dorf der Segen Bottes geſpendet werden ſollte. Des Müllers Huſſong Babetthen hatte helle Ohren, einen ſcharfen Verſtand und einen ſicheren Blick fürs Zupacken. Pfingſten kam Babett<hens Schweſter von Dirmelingen zu Beſu<ß. Nachdem man dem Feſtbraten zugeſprochen hatte, kamen die beiden über allerhand Dinge ins Geſpräch, was ſich zwiſchen Wuſtenbach und Dirmelingen in der Zwiſchenzeit zugetragen hatte. Und ſo erzählte des Müllers Babette ihrer Schweſter auch von ihren Nöten, daß ihr gerade für Fronleihnam noh größere Auslagen bevor- ſtänden. Sie müßten unbedingt zu dieſem hohen Feſte etwas ſtiften und ſo hätten ihr Mann und ſie ſich entſchloſſen, einen Straßenaltar zu kaufen. Ein neuer Altar, der ſchön ausſehen ſolle, ſei ja zwar ſehr teuer, aber dieſe Ausgabe ſei man ſchon ſeiner Ehre und ſeinem 'Anſehen im Dorf ſchuldig. „Das macht ſich ja großartig,“ meint das Greten. . „Hör' zu,“ was ich dir ſage, „kurz vor Pfingſten habe iH im Haushalt des Dirmelinger Paſtors ausgeholfen und hörte zufällig dort, daß ein Fronleichnamsaltar überzählig ſei. Geh" hin, den kriegſt du beſtimmt ſehr billig, und wenn dir dann der Malerſhor<h den Altar etwas neu herrichtet, ſo tut er für eure kleine Pfarrei noh gute Dienſte.“ Geſagt, getan. Am Dienstag nach Pfingſten pilgert Babette in aller Frühe zu Fuß nach Dirmelingen und ſpricht im Pfarrhaus vor. ' Der Pfarrer ſchläft noch zu ſo früher Stunde, aber ſeine Köchin erklärt auf Babettes Frage, daß ein Altar zu ver- kaufen ſei. „I< geh den Wagen holen,“ ſagt Babette, „komme heute vormittag noh vorbei und lade den Altar auf.“ Inzwiſchen hatte der Wißlerbauer aber auch von dem verkäuflichen Altar Kenntnis erhalten. Sein Schwager, Mitglied im Dirmelinger Kirhen<hor, hatte ihm davon erzählt. Er dachte dur<h den Kauf des Altars billig zu einem Prunkſtück zu kommen, weil er do< nun einmal etwas ſtiften mußte. Dienstag nach Pfingſten ſpannte er ſeine beiden Braunen ein und fuhr gen Dirme- lingen. Wie erſtaunt war er aber, als ihm auf halbem Weg, von Dirmelingen kommend, L well x