Rein Napoleon-Rult im Saargebiet des Vormärz. Bekanntlich gehört zu den landläufigen Legenden franzöſiſcher Geſchichtsſhreibung die Zweckmeldung, im Rheinland ſei während der erſten Hälfte des vergangenen Jahr- hunderts noch auf Jahrzehnte hinaus eine auf der Verehrung für Napoleon beruhende Hinneigung zu Frankreich feſtzuſtellen geweſen. Träger dieſer Geſinnung ſeien nament- lich die rheiniſchen Veteranen des napoleoniſchen Heeres geweſen. Es iſt außerordentlich intereſſant, demgegenüber aus der Feder eines zeitgenöſſiſchen Beurteilers die wahre, ganz anders ſich darſtellende Sachlage zu erfahren. Die Berichte der Trierer Regierungspräſidenten an 'den Miniſter des Innern, die im Geheimen Staatsar<hiv zu Berlin-Dahlem verwahrt werden (Rep. Nr. 505, Bd. 1-5: Tumulte und Volksaufſtände im Reg.-Bez. Trier), bieten eine einſchlägig außerorbentiich belangreiche und aufſchlußreiche Feſtſtellung, die nachſtehend wiedergegeben ſei: Das Jahr 1836 brachte den bekannten erſten Verſueh des ſpäteren Kaiſers Napoleon I111., die Gewalt in Frankreich an ſich zu reißen. Auf ein Straßburger Artillerie- regiment geſtüßt, wollte der damals 26jährige in abenteuerlicher Weiſe die Herrſchaft erlangen. Jndeſſen blieben die übrigen Truppen dem Bürgerkönig Louis Philipp treu, und ſo mußte ſich der jugendliche Kvronprätendent gefangen geben. Man ſc<ob ihn dann kurzerhand nac Amerika ab. Dieſer Putſch vom 20. Oktober 1836 gab dem Jnnen- miniſterium in Berlin Anlaß, in Trier Rückfrage zu halten, ob und welche Wirkungen das Straßburger Ereignis unter den rheiniſchen Veteranen der napoleoniſchen Armee ausgeübt habe. Die Antwort des Regierungspräſidenten fußt auf den Angaben des greiſen (nod aus der naſſauiſchen Zeit, d. h. vor 1790 ſtammenden!) Landrats Dern in Saar- brücken. Sie beſogt folgendes: „Die ehemaligen Soldaten des napoleoniſchen Heeres, welche zu ihrer urſprünglichen Lebensweiſe zurückgekehrt ſind und bei vorgerücktem Alter lediglich mit Sorge um die Ihren beſchäftigt ſind, haben keine Teilnahme für den Verſuch des Grafen von St. Leu und überhaupt . keine Vorliebe für die no< lebenden Glieder der Familie Napoleons. Im traulichen Familienkreiſe mögen ſie ſeiner (Napoleon 1) und der eigenen Taten gedenken, ohne politiſierend die Zuſtände zu betrachten. Aber auch dies hat ſeit (Kaiſer) Napoleons und ſeines Sohns Tod abgenommen. Die Bildung iſt außer bei einer Gruppe von penſio- nierten Offizieren zu Saarlouis unter dieſen Veteranen nur eine geringe, da ja nur zu Trier und in den Kreisſtädten literariſcher Verkehr und das Halten von politiſchen Zeitſchriften ſtatthatte. Das Straßburger Ereignis iſt bei ihnen kaum bekannt, wird aber auch als Unverſtand mißbilligt.“ Saarbrückens Landrat fügt dem noh an, für einen etwaigen Krieg hätten einzig und allein nur junge Avancementsleutnants Begeiſterung. Dr.L. Erlauſchtes in der Eiſenbahn. Zwei wahre Geſchichthen. Da ſaß ein Vater in der Eiſenvahn Saarbrücken--Trier. Unterhielt ſich jovial mit drei Vätern, die ebenfalls reiſten. Worüber unterhalten ſich vier reiſende Väter? Ueber die Kinder. Ueber ihre Beſonderheiten, über ihre Streiche. Vater Nummer eins ſaß mit Leichenbittermiene dabei, als man ſich über Richard, Otto, Ludwig, Franz unterhielt. „3a“, ſagte er dann, „mein Kurt macht mir Sorgen ganz anderer Art. Es iſt die Göttin Venus, die da im Mittelpunkt unſerer Meinungsverſchiedenheit ſteht.“ „YO, intereſſant.“ „Erzählen Sie dom mal . . .“ Vater Nummer eins iſt plößlich ebenſo wie ſein abweſender Sohn, Kurt, Mittelpunkt allgemeinen Intereſſes. „Es iſt für mich als Vater ja eigentlich ſehr peinlich, ſo etwas zu erzählen.“ „Gott, wir ſind ja unter uns. Der Bengel hat wohl "ne Braut?“ „O nein, keine Braut. Es iſt etwas, das mich als Vater zum Zorn reizt, zu unge- heurem Zorn. Meine Herren, wenn alle Vorſtellungen und Ermahnungen nichts nutzen, dann reißt ſchließlich auch die Engelsgeduld. Man darf mich, glaub' ich, nicht hart ſchelten, wenn ich meinen Jungen hart geſtraft habe.“ Die Spannung wächſt mit jeder Sekunde. „Was iſt denn eigentlich mit dem Kurt?“ „3 ſagte ſchon, die Göttin Venus . . .“ „3a, was iſt mit ihr?“ „Der Bengel ſchreibt Venus immer mit h.“ Des