gegangen war. Als Waſc<frau erwarb ſie ihren Lebensunterhalt, hatte aber das Unglück, im Alter von ſchwerem Siechtum heingefücht zu ſein, das wir Kinder nach Kräften zu mildern ſuchten, um nach Möglichkeit einen Ausgleich der uns von ihr erwieſenen Wohltaten herbeizuführen. Im Oktober 1884 wohnte die Herzensgute meiner Hochzeit in Wiesbaden bei; die Reiſe war ein großes Opfer für ſie, denn es war in ihrem langen Leben die erſte größere Bahnfahrt. Auf unſeren Wunſch mußte ſie in ihrem Ordens- ſ<muc> mit uns in den Wiesbadener Kurgarten gehen, wo ihr Erſcheinen geradezu Aufſehen erregte. Man drängte ſich um die alte, einfache Frau und ehrte jie mit lieber, ſchöner Anerkennung. Auf der Rückreiſe beſuchten wir mit ihr das Niederwalddenkmal. Auch hier wurde ſie von einem zahlreichen Publikum überhäuft mit liebenswürdigen Ehrungen, die der Kranken, in be- drängten Verhältniſſen lebenden Frau, wohl taten. Ihrem Grabhügel widmete am 6. Auguſt 1904 R. Menzel na<h- ſtehendes ſtimmungsSvolles PoEm: Der Heldin von Saarbrücken Einen Strauß von Heideblüten, "k En Erika und ThHhmian, Legten fromme Kinderhände Auf dem Efeuhügel nieder, Wo das tapf're Mädchen ruht Im geweihten Ehrentale . Blüten einfac<ß und beſcheiden So beſcheiden, wie ſie ſelber, Die in dieſem Hügel ſchlummert. Ein eigenartiges Zuſammentreffen war es, daß jie gerade bei Wiederkehr des Jahrestages der Entſtehung ihrer Berühmtheit - am 6. Auguſt 1886 -- wenige Tage vor Vollendung ihres 69. Lebensjahres -- in den Armen meiner Schweſtern Anna und Julie Schult, die ſie während ihres viermonatigen Krankenlagers liebevoll und aufopfernd verpflegt hatten, ihre reine Seele aus- hauchte und damit ein entſagungsreiches und ſegensreiches Daſein beſchloß. -- Wenige Augenblicke bevor ſie die müden Augen zum ewigen Schlummer ſchloß, hörte ſie die vom Schmücken der Kriegergräber heimkehrenden Schulkinder: „Wie ſie ſo ſanft ruh'n!“ ſingen. Mit den Worten: „Wie ſchön! Das iſt für mich!“ ging ſie hinüber. = Im Ehrental, wo deutſche und franzöſiſche Krieger begraben liegen, wurde ſie auf Beſchluß des Saarbrücker Stadtrats, als die Einzige ihres Ge- ſc<lec<hts, am 8. Auguſt 1886, zur ewigen Ruhe beſtattet. Die Koſten des in obigem Bild wiedergebenen Grabſteines wurden durc eine öffentliche Samm- lung aufgebracht. Das Geburtsdatum und Jahr auf dem Denkſtein treffen nicht zu, richtig iſt der 10. Auguſt 1817.